Coming and Going – Kommen und Gehen

Eine weitere Deutschstunde im Schlafzimmer meiner Studenten. — Oh je, das klingt jetzt wirklich zweideutig. Aber das ist es ja gar nicht, es ist einfach „das Beste draus machen“.

Diesmal werde ich nicht erwartet. Also stehe ich vor dem Gebäude und überlege, ob etwas passiert ist oder ob wir uns irgendwie missverstanden haben. Nach ein paar Minuten kommen Abdullah und Ahmed, und sie versuchen die anderen zusammenzutrommeln.

Dann kommt Salah – mit der Neuigkeit, dass ich meine zwei jüngsten Schüler verloren habe. Mahmoud und Sami sind beide erst 17 und deshalb noch schulpflichtig. Von jetzt an werden sie täglich in eine richtige Schule gehen. Natürlich freue ich mich für die beiden und trotzdem bin ich auch ein bisschen traurig, die beiden sind fast immer gut gelaunt und bringen Schwung und ein bisschen Unbeschwertheit ins Klassenzimmer.

Trotzdem ist das Zimmer voll, auch heute habe ich wieder Gastschüler. Ein Kurs, in dem jede Klasse auf die nächste aufbaut, wäre für die Schüler und auch für die Lehrerin (wegen der Vorbereitung) vielleicht besser . Aber da gerade bei den Nicht-Latein-Schreibern (je öfter ich „Analphabet“ schreibe, je mehr wird mir das Wort suspekt, denn die meisten können ja schreiben, nur eben nicht mit lateinischen Buchstaben) Wiederholen, Wiederholen und mehr Wiederholen angesagt ist, da passt das schon.

Wir sind dann beinahe mit der Klasse fertig, als Mahmoud und Sami verschwitzt und leicht außer Atem ins Zimmer stürzen. Sie sind direkt von der Schule gekommen und wollten mir noch schnell hallo sagen und könnte ich am Mittwoch eine oder zwei Stunden später anfangen, damit sie nach ihren regulären Schulstunden gleich bei mir weiter lernen können. Ich glaube, das ist das beste Kompliment, das ich heute bekommen werde.

029 Der arme Poet

Carl Spitzweg: Der arme Poet (Neue Pinakothek, München) aus de.wikipedia.org

Another class in the bedroom of my students. — Oh my! That sounds kind of suggestive. But it isn’t, it’s just making do within the possibilies.

Today nobody is waiting for me. So I stand in front of the building wondering whether something has happened or whether there was a breakdown in communications. After a few minutes Abdullah and Ahmed turn up and start hunting for the others.

Then Salah arrives – with the news that I have lost my two youngest students. Mahmoud and Sami are both only 17 and therefore of compulsory school going age. From now on they will attend a proper school daily. Of course, I am happy for them but nevertheless kind of sad because they are full of go and brought a certain lightness to the classroom.

Yet I’m not short of students as some guests have joined in. A course where one class builds upon the next might be preferable for the students as well as for the teacher (in terms of preparation). But with my non-Latin-writers (I am getting weary of writing “illiterates” as most of them are literate they just don’t know Latin letters) it is repetition, repetition, and more repetition, and that’s okay then.

Class is almost finished when Sami and Mahmoud rush into the room, sweating and slightly out of breath. They have come directly from school but wanted to see me and say hello and could I start school on Wednesday an hour or two later so that they can join after their regular school. I think that’s the best compliment I’m going to get today.

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7 thoughts on “Coming and Going – Kommen und Gehen

    1. Hallo,

      für die Alphabetisierung arbeite ich damit http://issuu.com/integrationsfonds/docs/alpha_123_grundkurs?e=5869606/6772252
      Inzwischen habe ich auch gesehen, dass es was ähnliches in Deutschland gibt, aber ich hab mich nicht weiter drum gekümmert, weil ich jetzt mit diesem Grundkurs angefangen habe. Ansonsten greife ich gelegentlich auf dieses Buch zurück: http://www.amazon.de/gp/product/3193519111?keywords=hueber%20deutsch%20vorkurs&qid=1442870150&ref_=sr_1_1&sr=8-1 , weil die hiesige VHS damit den 100-Stundenkurs macht. Aber für die Sprachthemen habe ich hauptsächlich selbst Blätter erstellt oder Kinderbücher zur Hand genommen. z.B. Wimmelbücher oder sowas: http://www.amazon.de/Mein-allersch%C3%B6nstes-W%C3%B6rterbuch-Richard-Scarry/dp/3773549024/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1442870295&sr=8-1&keywords=richard+scarry. Außerdem benutzen wir ein Bildwörterbuch, dieses da: http://www.amazon.de/Visuelles-W%C3%B6rterbuch-Deutsch-als-Fremdsprache/dp/3831091161/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1442870352&sr=8-2&keywords=bildw%C3%B6rterbuch. Es gibt aber auch ähnliche von anderen Verlagen. Von Langenscheidt gibt es das: http://www.amazon.de/Langenscheidt-Ohne-W%C3%B6rter-Buch-600-Zeigebilder-Weltenbummler/dp/3468298382/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1442870397&sr=8-1&keywords=bildw%C3%B6rterbuch+langenscheidt , das ist die handliche Version in klein, es rentiert sich aber die drei Euro mehr für die große Version zu zahlen. Ich hoffe das hilft!

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      1. Ganz, ganz herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.
        Ich habe der Bloggerfreundin gerade den Link hierher in den Beitrag gepostet.
        Dann kann sie sich ein Bild machen und gucken, ob es für ihren Zweck nützt.

        Herzliche Grüße
        von Frau Tonari

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      2. Die Bloggerfreundin war schon hier und hat gelesen. Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber ich musste mich grad kümmern. Vielen Dank für die ausführliche Antwort, vielen Dank für den Tipp, liebe Frau Tonari

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