The spider in the yucca plant – Die Spinne in der Yuccapalme

Ein Monat ist schnell um und so sitze ich schon wieder beim Friseur. Es soll Frauen geben, die gern zum Friseur gehen, aber für mich ist es ein leidiges Muss. In weniger als zwei Minuten sehe ich mich zum Smalltalk mit der Friseurin gezwungen. Nachdem die üblichen Themen – Wetter, anstehender oder vergangener Urlaub, wieder Wetter – abgearbeitet sind, reizt es mich doch herauszufinden, ob sich an ihrer Einstellung gegenüber der Flüchtlingssituation in den letzten Wochen etwas geändert hat.

Ich erzähle ganz unschuldig, dass bei einigen Flüchtlingen im Hotel der Asylantrag durch sei, und sie sich zur Feier des Tages einen Haarschnitt geleistet haben . Sie sehen jetzt richtig smart aus! Sie steigt auch gleich auf das Thema ein und fragt nach: „Wie sin‘en die drauf?“ Naja, meist ganz gut, aber manchmal auch traurig, wenn sie Nachrichten von zuhause bekommen haben oder wenn sie sich an ihre Erlebnisse erinnern. Ein Mann hat mir heute erzählt, dass er von seinem Bruder und dessen Frau aus Homs gehört habe, dass sie hätten nichts mehr zu essen haben. „Glauben Sie denen das?“ Ja, das tue ich; wie nicht, wenn man die Bilder aus Homs sieht? „Aber die sind doch aggressiv und so, gell? Also ich hab Angst vor denen.“

Ich weiß gar nicht, wo ich da einsetzen soll. Ich habe noch kein aggressives Wort im Hotel gehört. Das heißt nicht, dass es dort nicht Reibereien und vielleicht auch handfeste Streitereien gibt. Es würde ja an ein Wunder grenzen, wenn es nicht so wäre. Aber ich habe dort nur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt.

„Ja, aber man sieht das doch im Fernsehen, wie wild die sind!“ Ich nehme an, sie bezieht sich auf Bilder, die an den Grenzübergängen in Ungarn, Mazedonien, Kroatien entstanden sind. Dann erzählt sie mir, was ihrer Freundin passiert sei. Die hätte eine Vollbremsung hinlegen müssen, um zu verhindern, einen Jungen umzufahren. Da hätte der sich umgedreht und ihr den Mittelfinger gezeigt. „Siebzehn, ein Flüchtling, also da hört’s bei mir auf.“

Wie kann man auf so eine Geschichte reagieren – angefangen von meinen Zweifeln, dass die Geschichte wirklich so passiert ist (so klingen moderne Legenden)? Woher will man wissen, dass der Junge 17 ist? Woher will man wissen, dass es sich um einen Flüchtling handelt? Diesen letzten Zweifel äußere ich laut. Die ernüchternde Antwort, die ich darauf erhalte, ist: „Na, das sieht man doch! Die sehen doch ganz anders aus …“

Die Frau ist sicher nicht repräsentativ für die Menschen hier in unserer Stadt. Sie ist etwas jünger als ich. Und lebt schon lange in Deutschland. Sie stammt aus der Türkei.

031 spider

A month goes by quickly and I am back in the hairdressing salon. I’m told there are women who actually enjoy having their hair done, but for me it is an annoying necessity. In less than two minutes I feel compelled to say something, anything. When the usual topics – the weather, upcoming holidays, past holidays, the weather again – are exhausted I am tempted to find out whether her attitude towards the refugee situation has changed in any way. Quite innocently, I tell her that some of the refugees have been granted asylum and that they have celebrated that fact by getting a haircut.
They look real smart now! She immediately warms to the subject and asks: “What are they like?” Well, mostly good humoured, but sometimes also feeling sad when they’ve had news from home or when they remember what they’ve been through. One man has told me today that he has heard that his brother and wife in Homs are running out of food. “And you believe them?” Yes, I do; and how could I not when I see pictures from Homs? “But they are aggressive and such, aren’t they? I’m afraid of them.”
I don’t even know where to start to answer. I haven’t heard one aggressive word in the hotel as yet. That doesn’t mean that there aren’t any frictions and possibly even fights. It would be a miracle if not, under the circumstances. But I have only experienced friendliness and helpfulness there.
“But on TV, one can see how wild they are!” I expect that she is referring to the video clips taken on the borders of Hungary, Macedonia, Croatia. Then she tells me about something that has happened to a friend of hers. She had to slam on the brakes in order to avoid knocking over a youngster who then proceeded to give her the finger. “Seventeen, a refugee, that’s just not on!”
How can one react to such a story – beginning with my doubts that this has really happened (urban legends sound like this). How is one to know that the youngster is 17? How is one to know that he is a refugee? I voice this last doubt and the sobering answer I get is: “But one can see that, of course! They look so different …”
The woman is surely not representative for the people in this town. She is a bit younger than me. She’s been living here for a long time. Originally, she comes from Turkey.

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