Pfeif ein frohes Lied und niemand weiß Bescheid – Whistle a happy tune and no one ever knows

A lot has changed since our first small group of 80 refugees arrived and settled at the hotel. There are now 5 times as many displaced people in town, and although some of them are in temporary accommodation they still need German classes. We have an amazing number of about 77 volunteers who want to help with that. Only about 10, if that many, have actual teaching experience, but with the now much better exchange of ideas and teaching materials it is possible even for complete novices to teach a small group the first basic steps in a new language.

I don’t know yet which class(es) I am going to teach. I have applied to be recognised as a proper teacher, eventually I’m hoping to teach an integration course. But at the moment I am going to teach an official alphabetisation course, 2 hours twice a week – “official” means actually getting paid for it. I will also probably still teach another course on a voluntary basis.

This morning I got a phone call from another volunteer who would like to help but lacking experience she doesn’t want to be in charge of a larger class just yet. So she asked if she could take over my little group. I was amazed how possessive I got. These are MY guys. I don’t want to lose them.

I have a special connection with the little family of Salah, Mahmoud and Malik. Salah is such a gentle, affectionate young man, he takes care of his brother and his nephew, he cooks, he cleans, he washes, and also play with and hugs the little one. Mahmoud on the other hand is a charming rascal with an infectious smile. All these are understandable reasons why I like them. But I am not the only one. These three have managed to grab the attention of many volunteers and visitors to the hotel, and they have been taken under the wings of a few older Syrians who’ve been living in our town for some time.

But then I’m thinking of Akai and Dersim, the two Kurdish brothers. I haven’t seen them around for a while, they don’t seem to participate in the coffee meetings on Friday afternoons anymore. They have more communication problems than most as they don’t speak Arabic but a localised Kurdish dialect. They are seldom smiling, and knowing some of their personal history I can’t blame them. They are not charming and engaging, but rather close-lipped and withdrawn. They might need more help than the outwardly happy ones – but who can tell for sure?

Are volunteers allowed to pick and choose? Are we allowed to have favourites? Are we allowed to enjoy ourselves with the refugees?

Yes, of course, yes! It would be a dour business otherwise. But we shouldn’t forget the others who have it harder to show a happy face and make people like them.

039 happy faceSeit die ersten 80 Flüchtlinge hierhergekommen und im Hotel eingezogen sind, hat sich vieles geändert. Inzwischen sind fünfmal so viele Vertriebene in der Stadt, und obwohl manche von ihnen nur in einer Übergangsbehausung leben, brauchen auch diese Deutschunterricht. Es gibt inzwischen erstaunliche 77 Ehrenamtliche, die damit helfen wollen. Ungefähr zehn davon – wenn überhaupt so viele – haben Lehrerfahrung, aber mit dem immer besserwerdenden Austausch von Material und Ideen ist es auch für Neulinge möglich, einer kleinen Gruppe die ersten Grundschritte in einer neuen Sprache zu vermitteln.

Ich weiß noch nicht, welche Klasse(n) ich zugeteilt bekomme. Ich habe einen Antrag gestellt, um als „richtige“ Lehrerin zertifiziert zu werden; ich hoffe, letztendlich einen vollen Integrationskurs zu unterrichten. Aber jetzt bin ich erstmal eingeteilt, einen offiziellen Alphabetisierungskurs zu leiten, 2mal die Woche für 2 Stunden – „offiziell“ bedeutet, dass ich tatsächlich für diese Arbeit bezahlt werde. Ich werde wahrscheinlich auch einen weiteren ehrenamtlichen Kurs leiten.

Heute Morgen bekam ich dann einen Anruf einer ehrenamtlichen Helferin, die gerne helfen würde, aber sich mangels Erfahrung noch keine eigene Leitung einer größeren Klasse zutraut. Sie fragte, ob sie meine kleine Gruppe im Hotel übernehmen könne. Ich war selbst überrascht, wie besitzergreifend ich wurde. Das sind MEINE Jungs. Ich möchte sie nicht verlieren.

Ich habe eine besondere Beziehung zu der kleinen Familie von Salah, Mahmoud und Malik. Salah ist so ein sanfter, herzlicher junger Mann, er kümmert sich auf so rührende Weise um seinen Bruder und seinen Neffen, er kocht, er putzt, er wäscht und spielt und knuddelt auch mit dem Kleinen. Mahmoud dageegen ist ein charmanter Schlawiner mit einem ansteckenden Lächeln. All das sind nachvollziehbare Gründe, warum ich sie so mag. Aber ich bin nicht die einzige. Diese Drei haben bei vielen Ehrenamtlichen und Besuchern im Hotel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und sie wurden auch von einigen älteren Syrern, die schon länger hier wohnen, unter die Fittiche genommen.

Dann denke ich an Akai und Khalid, die beiden kurdischen Brüder. Ich hab sie schon eine Weile nicht mehr gesehen, sie scheinen nicht mehr zu dem Kaffeetreffen Freitag nachmittags zu kommen. Sie haben mehr Kommunikationsprobleme als viele der anderen, weil sie kein Arabisch sprechen, sondern nur einen lokalen kurdischen Dialekt. Sie lächeln selten und daraus kann ich ihnen, nachdem ich einen Teil ihrer Erlebnisse kenne, keinen Vorwurf machen. Sie sind nicht einnehmend, sondern eher zurückhaltend und verschlossen. Vielleicht benötigen sie mehr Hilfe als diejenigen, die nach außen hin glücklich wirken – aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen?

Dürfen freiwillige Helfer sich die Rosinen herauspicken? Dürfen wir Lieblinge haben? Dürfen wir mit den Flüchtlingen Spaß haben?

Ja, natürlich ja! Sonst wäre es eine saure Angelegenheit. Aber wir dürfen die nicht vergessen, denen es schwerfällt, ein fröhliches Gesicht zu zeigen und sich beliebt zu machen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s