Doubt is a bad counsellor – Zweifel ist ein schlechter Ratgeber

Ich bin hin- und hergerissen.

Meine Klasse, ein VHS-Alpabetisierungskurs, ist auf 100 Stunden angelegt. Vor kurzem hat die deutsche Regierung Geld in ein Vorhaben gesteckt, um allen Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive, d.h. solchen aus Syrien, Eritrea, dem Irak und dem Iran, in einem 320-Stunden-Einführungskurs Deutschlernen zu ermöglichen. Demzufolge werden solche Kurse jetzt von privaten Sprachinstituten angeboten. Ich war von Anfang an geteilter Meinung darüber. Die Vertreter der Sprachschulen erweckten nicht den Anschein, gut über die Bedürfnisse ihrer potenziellen Kursteilnehmer informiert zu sein. Sie schienen wenig Vorstellung davon zu haben, dass die wenigsten eine europäische Fremdsprache beherrschen, dass viele keine lateinischen Buchstaben schreiben können und einige gar keine. Auf der anderen Seite sind 5 Tage die Woche à 4 Stunden besser als 3 mal 2 Stunden. Und die Lehrer mögen durchaus engagierte Fachleute sein. Ich sollte sie nicht nach der Kundenansprache ihrer Vertriebsleute beurteilen.

Ursprünglich wurde beschlossen, dass diejenigen, die grundlegende Alphabetisierung benötigten in meinem Kurs bleiben sollten. Einige haben sich jedoch bei den privaten Instituten und bei der VHS, wo ich unterrichte, registriert. Und jetzt soll ich sie beraten.

Ich bin damit überfordert und weiß nicht, was ich tun soll. Sie wollen bei mir bleiben und ja, natürlich schmeichelt mir das. Allerdings möchte ich nicht, dass sie sich schlechter stellen, nur weil sie mich mögen. Ich sollte sie dazu drängen, in den 320-Stunden-Kurs zu gehen. Gleichzeitig mache ich mir Sorgen, dass sie in einer Klasse mit 20 bis 25 Teilnehmern mit unterschiedlichen Niveaus untergehen werden. Ich mache mir Sorgen, dass sie nur als Nummern gesehen werden, die Geld bringen, solange sie anwesend sind, unabhängig davon, ob sie etwas lernen oder nicht. Ich mache mir Sorgen, dass sie frustriert aufgeben werden. Für mich sind das „meine Jungs“ (selbst Nour), und ich will, dass sie etwas erreichen. Doch ich bin nicht unersetzlich. Die Institute haben sicher erfahrene Lehrer, vielleicht besseres Lernmaterial. Ich habe mit dem Leiter des einen Instituts gesprochen, und er schien ernsthaft bemüht. Er ist selbst Araber und das ist ein zusätzliches Plus.

Also ging ich heute schweren Herzens ins Hotel und versuchte Salah, Abdullah, Nour, Kamal und Mamdhu davon zu überzeugen, dass sie zu dem Privatkurs wechseln sollen. Salah und Abdullah wollen nicht gehen, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Kurs nachmittags stattfindet und das mit Kindergarten- und Schulzeiten von Malik und Yussuf nicht gut zusammengeht. Ich konnte sie aber dazu überreden, sich bei einem anderen Institut, das morgens Stunden anbietet, einzuschreiben. Nour will nicht gehen, hauptsächlich, so glaube ich, weil sie die Bequemlichkeit nicht missen möchte, das Klassenzimmer im Hotel zu haben. Kamal und Mamdhu waren schon einmal dort und dachten nach einem kurzen Blick auf den Lehrer und das Lehrbuch, dass es zu kompliziert für sie sei und sie bei mir bleiben wollen. Ich habe ausgemacht, dass ich mit ihnen am Montagnachmittag zur Schule gehen und mit dem Lehrer sprechen werde, und dass sie dann ihre Entscheidung treffen werden.

Vielleicht habe ich nächste Woche noch eine Klasse, vielleicht auch nicht.

060 doubt

I feel torn in two.

My course, a VHS alphabetisation course, is a 100 hour course. Recently the German government put some money in their hands and decided that refugees who have good prospects of being granted asylum in Germany, i.e. refugees from Syria, Iraq, Iran, and Eritrea, can start to learn German in a course lasting 320 hours. As a result private language institutions are offering these courses now. I have been in two minds about them from the word go. The representatives of the language schools didn’t strike me as very knowledgeable with regard to the requirements of their potential course participants. They seemed to have little idea that only a small percentage are able to speak a European language, many need to learn Latin letters, and some need to learn how to write. On the other hand, learning German 5 days a week for 4 hours per day is better than 6 hours per week on 3 days. And the teachers may very well be dedicated professionals, I shouldn’t be judging them from their managers’ sales pitch.

Originally, it was decided that those refugees who need very basic alphabetisation should come to my course. But some of them signed up with a private institute and with the parastatal VHS organisation, where I teach. And now I have been asked to advise them.

And I am overwhelmed and have no idea what to do. They want to stay with me, and of course, I am flattered. However, I don’t want them to lose out just because they like me. I should urge them to take the 320-hour-course. At the same time, I am worried that they will not be able to keep up in a class with 20 to 25 participants with a broad range of standards. I am worried that they will just be money generating units for whom the state will pay regardless of whether they learn anything. I am worried that they will get frustrated and give up. These are “my guys” (even Nour), and I want them to succeed. Yet, I am not irreplaceable. Surely the language schools have experienced teachers, possibly better teaching material. I spoke with the organiser of one of the institutes and he seems genuinely concerned. He is an Arab himself and that is an added bonus.

So I went to the hotel tonight with a heavy heart and tried to convince Salah, Abdullah, Nour, Kamal, and Mamdhu, to switch to the private course. Salah and Abdullah don’t want to go, not least because it’s an afternoon course and this clashes with the nursery and school times for Malik and Yussuf. But I could convince them to try one of the other institutes with morning classes. Nour doesn’t want to go because , I think, she prefers the convenience of a class in the hotel. Kamal and Mamdhu have already tried out the class and took one look at the teacher and the teaching manual and thought it too complicated, they want to stay with me. I have now arranged that I will accompany them to the school on Monday and try to speak to the teacher, and they have to decide then.

I may or may not still have a class next week.

 

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s