A few good men? – Eine Handvoll guter Männer?

Ich hab bisher immer die These vertreten, dass Sprachunterricht auch Gesellschaftsunterricht ist, auch Kulturunterricht, auch Integrationshilfe. Dazu stehe ich nach wie vor. St. Martin und die Laternenumzüge habe ich meinen Schülern erklärt. Weihnachten (und Ladenschlusszeiten) habe ich erklärt. Auf die Silvesterknallerei habe ich meine Schüler vorbereitet. Bald ist Fasnachtszeit und ich plane eine Lektion darüber. Und über das letzte Silvester müsste man reden. –

Ich habe Probleme damit, das Thema anzugehen. Ich sehe meine männlichen Kursteilnehmer vor mir, die jungen irakischen und syrischen Männer, die ich am längsten unterrichte, die nicht ganz so jungen Westafrikaner, und die neuen, die drei Ehemänner aus Afghanistan. Und ich denke mir: Wie soll ich denen sagen, dass sie keine Frauen begrabschen sollen? Es würde diesen Männern nie einfallen, mir respektlos gegenüber zu treten. Ich habe weder im Unterricht noch bei anderen Treffen je etwas erlebt, was auf ein frauenmissachtendes Menschenbild schließen lässt. Nicht im Klassenzimmer und auch nicht an Silvester, wo ich zumindest zwei der Afrikaner, die im Hotel wohnen, ziemlich angetrunken erlebt habe. Der eine wurde immer redseliger, der andere ein bisschen großsprecherisch, aber sie haben sich in keiner Weise mir unangemessen genähert. Bei den araberischen Schülern war ich auf Geburtstagspartys eingeladen, auf denen getanzt wurde – syrisches Linedancing ähnlich wie ein griechischer Sirtaki, nur enger, und normale Freestyle-Verrenkungen, wie sie jeder Disco kennt, bei dem mich neben den anderen Frauen wie ein Bauerntrampel mit zwei linken Füßen vorkam. Es war lustig und stimmungsvoll, es gab viel zu essen und es war für keine der anwesenden Frauen (oder Männer) in irgendeiner Weise unangenehm. Und ich sehe in die Gesichter der sechs Menschen aus Afghanistan, die mit ihren Familien in unser Land geflüchtet sind. Ich habe sie untereinander immer nur mit Höflichkeit und Wertschätzung gegeneinander umgehen sehen. Es ist mir manchmal richtig peinlich, wie dankbar sie für den Unterricht und das Wenige, mit denen ich ihnen versuche zu helfen, sind. Gegenüber der alleinstehenden Somalierin in der Gruppe sind sie und die anderen immer hilfsbereit und freundlich.

Und diesen Menschen soll ich nun sagen, dass sie sich nicht wie enthemmte Triebtäter benehmen sollen? Ich habe gelesen, dass viele Flüchtlinge sich schämen, wenn sie von den Vorkommnissen in verschiedenen Städten in der Silvesternacht hören. Ich wiederum schäme mich, unbescholtenen Männern zu unterstellen, dass sie sich auch so benehmen könnten.

The floozie in the jacuzzi
Up to now I have always subscribed to the idea that language lessons are always also about society, about culture, about integration help. I still stand by this notion. I’ve explained to my students about St. Martin and the latern processions. I’ve explained about Christmas (and shop closing times). I’ve prepared them for the fireworks on New Year’s Eve. Soon it will be carnival time and I’m planning a lesson about it. And one should be talking about the last New Year’s Eve. –

I have problems to tackle the topic. I’m looking at my male course participants, the young Iraqi and Syrian men, whom I’ve been teaching the longest, the not quite as young West Africans, and the new ones, the three husbands from Afghanistan. And I am thinking: How shall I tell them that they should not grope women? It would never occur to these men to approach me with anything but respect. Never have I experienced anything which would lead me to conclude that they are contemptuous of women. Not in class, not on New Year’s Eve when I experienced at least two of the Africans in a rather inebriated state. One of them got more and more talkative, the other one bragging, but they never touched me or came too close. I’ve been invited to birthday parties with the Arab learners where there was dancing – Syrian line dancing similar to a Greek sirtaki, only closer, and normal freestyle contortions known from modern dancefloors where I felt like a country yokel with two left feet compared to the other women. It was fun and full of atmosphere, there was lots of food and it was for none of the women (nor men) present in any way disagreeable. And I’m looking into the faces of the six people from Afghanistan who have to our country with their families. I have only seen them deal with each other with politeness and appreciation. I’m sometimes embarrassed about the gratitude with which they thank me for the lessons and the little with which I am trying to help them. They and the others are always helpful and courteous towards the single Somali woman in the group.

And now I should tell those people that they should not behave like sexual predators? I have read that many refugees are ashamed about the events which took place on New Year’s Eve in several places in Germany. I, in turn, am ashamed to insinuate that these respectable men would act in a similar fashion.

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2 thoughts on “A few good men? – Eine Handvoll guter Männer?

  1. Vielleicht geht es, wenn du einfach sachlich erzählst, was passiert ist? Und/oder dies vordergründig als Erklärung verpackst, weshalb sie momentan möglicherweise (noch) mehr Misstrauen aus der Bevölkerung erhalten? Eine Diskussion über den Umgang mit Frauen wird sich dann vermutlich ganz von selber entwickeln.

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    1. Es geht mir nicht um das Didaktische, es geht mir darum, überhaupt durch das Themaanschneiden, den Männern etwas zu unterstellen. Diskussion ist momentan eh’ unmöglich, da wir noch nicht über “Ich heiße … ich komme aus … das ist meine Familie” hinausgekommen sind.

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