La vie en rose?

A couple of days ago this report appeared in Die Welt: “Extrem fordernd, unzuverlässig und aufdringlich” (= Extremely demanding, unreliable and obtrusive) It’s a rather more conservative German newspaper from the same publisher who is responsible for Bild, i.e. the biggest mudslinging daily in Germany. Which means that one should keep a healthy scepticism if no tof the content itself then at least of the slant and the timing of the article. – Even so it seems a genuine report about one woman’s experience in an initial reception centre for refugees. She describes her progress from enthusiastic beginnings to disillusionment with the people she deals with daily.

This blog is my testimony that there are other experiences. I have been accused of painting a rose-tinted picture, that I won’t or can’t see anything bad because of my inability to admit that I’ve been wrong all along about the refugees in Germany. But just as I accept this woman’s experiences as her truth (omitting for now some niggling doubts about some details) I am entitled to be believed as well.

Furthermore, I don’t think that I am such an exceptional case; in fact I know that I am not from my contacts with other volunteer workers in our town and in other places. But this begs the question why there is such a discrepancy in observations.

The essential difference is that we have no initial reception centre here. Often several thousand refugees are being housed in one place, staying for a few weeks or months before being moved to refugee accommodations around the country. The people who come to our town have been through that process, they know that they will stay here for the foreseeable future. They settle down, physically as well as mentally. They start making contacts with the people with whom they share their accommodation as well as with people from the town. Their worries and fears change from very basic safety, food and shelter issues to concerns about their future, professional and otherwise, about learning the language, about their children’s schooling and so on. It is still a precarious existence for most of them, especially if they are from countries with no definite prospect of being able to stay in Germany, but they see that their life is running in more regulated tracks.

The size and nature of the lodgings make a big difference, too – we can see in our town what it means if 100 people are housed together or 300, whether they have a minimum of privacy or not, whether they can cook for themselves or whether their food is catered .

I am known not only amongst the participants of my classes but through a variety of activities to other refugees as well. I am not just somebody behind a desk who sees a continuous stream of people. The Germans working in administration have an enormous power over the life of each individual refugee, at least, that’s how it must seem to the refugees themselves. It must be a terrible feeling to be so vulnerable, understanding so little of what is going on around them.

They are at the mercy of processes and people they don’t understand. A lot can be gained if instead they can get the feeling that what they do has an influence on their future, that they are not rejected across-the-board.

081 lenses

Vor ein paar Tagen ist der folgende Bericht in der Welt veröffentlicht worden: “Extrem fordernd, unzuverlässig und aufdringlich”. Der Artikel kommt aus dem Hause Springer, das auch für Bild, die größte Dreckschleuder der deutschen Tageszeitungen, verantwortlich zeichnet. Was bedeutet, dass man den Artikel mit Vorsicht genießen sollte, nicht nur den Inhalt selbst, sondern auch seine Tendenz und die Tatsache, dass er jetzt veröffentlicht wird. – Trotzdem scheint es sich um einen authentischen Bericht zu handeln, der die Erlebnisse und Erfahrungen einer Angestellten in einem Erstaufnahmelager beschreibt. Sie dokumentiert ihren Weg von ihrem enthusiastischen Arbeitsbeginn zur Desillusion in wenigen Wochen.

Dieser Blog ist mein Zeugnis, dass es ganz andere Erlebnisse gibt. Mir wurde vorgeworfen, dass ich alles durch eine rosarote Brille sehe, dass ich nichts Schlechtes zulassen will oder kann, weil ich dann zugeben müsste, von vorneherein mit meinen Ansichten über Flüchtlinge falsch gelegen zu haben. Aber so wie ich die Erfahrungen dieser Frau als ihre Wahrheit akzeptiert (kleine pedantische Zweifel lasse ich jetzt mal weg), so erwarte ich, dass man meine Schilderungen ebenfalls nicht aus Prinzip anzweifelt.

Außerdem glaube ich auch nicht, dass ich so eine Ausnahme darstelle. Im Gegenteil, durch den Kontakt mit anderen ehrenamtlichen Helfern weiß, dass ich das nicht bin. Also stellt sich die Frage, woher diese unterschiedlichen Beobachtungen kommen.

Der entscheidende Unterschied ist zu allererst einmal, dass wir hier kein Erstaufnahmezentrum haben. Oft wohnen dort mehrere 1000 Menschen zusammen, die nur für wenige Wochen oder Monate dort sind, bevor sie auf Flüchtlingsunterkünfte im Land verteilt werden. Die Menschen, die in unsere Stadt kommen, haben diesen Prozess durchlaufen und wissen, dass sie jetzt auf absehbare Zeit hierbleiben werden. Sie kommen zur Ruhe, körperlich und geistig. Sie beginnen mit anderen Flüchtlingen und mit Menschen aus der Stadt Kontakte zu knüpfen. Ihre Ängste und Sorgen drehen sich nicht mehr um Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Essen und Obdach, sondern um ihre Zukunft, beruflich und anderweitig, um Spracherwerb, um die Schule für ihre Kinder und so weiter. Ihre Situation ist immer noch unsicher, besonders bei denen, die keine sichere Bleibeperspektive haben, aber sie erfahren, dass ihr Leben in geordneteren Bahnen läuft.

Dann unterscheiden sich die Größe und Art der Unterbringung – wir sehen hier in unserer Stadt was es ausmacht, ob 100 Menschen zusammenleben oder 300, ob sie ein Mindestmaß an Privatsphäre haben oder nicht, ob sie selbst kochen können oder ob sie das Essen von Cateringfirmen bekommen.

Ich bin nicht nur bei den Teilnehmern in meinem Kurs bekannt, sondern durch verschiedene Aktivitäten auch bei anderen Flüchtlingen. Ich bin nicht nur ein Jemand hinter einem Schreibtisch, der einen kontinuierlichen Strom von Menschen sieht. Die Verwaltungsangestellten haben eine gewaltige Macht über das Leben von einzelnen Flüchtlingen, zumindest muss es den Flüchtlingen so vorkommen. Es muss ein schreckliches Gefühl sein, sich so ungeschützt zu fühlen, weder die Sprache noch die Vorgänge zu verstehen.

Wenn sie dagegen das Gefühl bekommen können, dass ihnen Respekt entgegengebracht wird, dass ihr Tun direkten Einfluss auf ihre Zukunft hat, dann ist schon viel gewonnen.

 

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