How now brown cow? – Un’ nu, dumme Kuh?

Meine Sprachklasse beinhaltet einen Zubringerdienst für einige der Teilnehmer aus der anderen Unterkunft. So war das zwar nicht gedacht, aber jetzt ist das halt so. Die drei Männer fahren mit dem Fahrrad und bis jetzt hat das Wetter auch mitgespielt. Latifa ist im 8. Monat schwanger und kann die sieben Kilometer Hin- und Rückweg nicht mehr laufen, außerdem kommt ja auch ihr Zweijähriger Halim mit zur Kinderbetreuung im Hotel. Das andere Kind, das mitkommt, ist Malalai. Ihre Eltern, Sharif und Sema, sind beide in der Klasse. Wir hatten gehofft, dass Malalai, die zehn ist, bald in die Schule gehen kann, aber das hat noch nicht geklappt. Sie hat einen Neuralrohrdefekt und kann nur mit Schwierigkeiten laufen. Aus diesem Grund müssen zwei Frauen laufen (keine hat ein Fahrrad) und müssen sich abwechseln. Manchmal hilft meine Schwester mit dem Fahren. Die Leute, die im Hotel wohnen, müssen jedesmal weit laufen, wenn sie einkaufen gehen, aber sie haben die Schule im Haus. Die anderen müssen zum Unterricht laufen, aber haben das Glück gleich zwei Lebensmitteldiscounter auf der anderen Straßenseite ihrer Wohnungen zu haben. Es gleicht sich also aus und wenn es diese besonderen Fälle nicht gäbe, würde ich keine Taxifahrten unternehmen.

Auf dem Weg zwischen den beiden Unterkünften kommt man an einem Milchhof vorbei, wo man an einer „Milchtankstelle“ Rohmilch kaufen kann. Heute habe ich mich mit der Gruppe nach dem Unterricht am Milchautomat verabredet, zwecks pratkischem Anschauungsunterricht. Normalerweise kaufe ich diese Milch nicht, denn sie hat einen höheren Fettanteil als Supermarktmilch und mein Magen will sich nicht daran gewöhnen. Ich habe eine Glasflasche vom Automaten gekauft und habe Milch eingefüllt (funktioniert so ähnlich wie die Getränkemaschinen bei Fastfoodketten). Harun hat aufgepasst und sofort gefragt, ob man die Milch abkochen muss, was auch der Fall ist. Sema hat dann gleich auch eine Flasche und einen Liter Milch gekauft.

Danach hatten wir alle noch Spaß dabei, die Kühe in der Scheune und die Kälbchen im Stall daneben anzusehen. Besonders Halim und Malalai waren von den Tieren begeistert, es wurden Fotos geknipst und ganz vorsichtig die schwarz-weißen Stirnlocken der Kälber gestreichelt.

Und dann wollte ich ihnen meine Probeflasche Milch geben, die ich ja nur gekauft hatte, um ihnen zu zeigen, wie das alles funktioniert (was ich nicht erklären kann, muss ich halt zeigen) und niemand wollte sie mir abnehmen. Aber sie wollten sie nicht geschenkt haben. Es ging nicht mal darum, dass sie kein Geschenk annehmen wollten, sondern dass sie mich nicht ausnutzen wollen. Ich konnte ja schlecht erklären, dass ich von der Milch Durchfall bekomme, weil sie ja sonst denken würden, die Milch sei schlecht. Also habe ich sie zu ihrer Unterkunft zurückgebracht, und ich bin jetzt auch wieder zuhause, zusammen mit einer Flasche Milch, die ich mich nicht zu trinken traue.

082 cow
My language class includes a shuttle service for some of the participants from the other lodging. It wasn’t planned that way but that is how it is. The three men go by bicycle and so far the weather has played along. Latifa is eight months pregnant and cannot walk the seven kilometres there and back, also her two-year-old son Halim has to come along because he needs to be supervised during class time. The other child coming along is Malalai. Her parents Sharif and Sema are both in the class. We had hoped that Malalai, who is ten, would be in school by now but this is not yet the case. She is a spina bifida sufferer and although she can walk she does so with difficulties. As a result two women have to walk (none of them have bicycles) and they need to take turns. Occasionally, my sister helps with the transport. The people living in the hotel have to walk far if they need to go shopping but have the school in the same house. The others have to walk to get to class but are lucky enough to have two food discounters just across the street from their accommodation. So it evens out in the end and if it weren’t for the special cases I would not play taxi.

On the way between the two accommodations we pass a dairy farm where it is possible to buy raw milk at a “milk station”. Today I arranged for the whole group to meet me at the milk vending machine after class for an object lesson. I normally don’t buy that milk because it has a higher fat content than store bought milk and my stomach refuses to get used to this fact. I bought a glass bottle from the vending machine and filled it with milk (pretty much like the softdrink machines in fast food restaurants). Harun was switched on and asked about boiling the milk which is, in fact, necessary. Sema also bought a bottle and a litre of milk.

Afterwards we all had great fun looking at the cows in the barn and the calves in the separate stable next door. Especially Halim and Malalai enjoyed looking at the animals, photos were taken and the black-and-white locks on broad foreheads touched ever so gingerly.

And then I wanted to give them the sample bottle of milk which I had only bought in order to show them how it was done (what I can’t tell them I have to show them) and nobody wanted to accept it. They didn’t want handouts. It’s not even so much that they would not accept a gift but they don’t want to take it from me, which they would consider taking advantage of me. I couldn’t very well tell them that I get the runs from it because they’d think it was bad milk. So I took them back to their lodgings and I’m back home as well with a bottle of milk which I don’t dare drink.

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