Verlust – Loss

Almost all of the refugees I have had dealings with so far are tradesmen who did ordinary jobs in their home country, they are taylors, hairdressers, car mechanics, and the like. Most of them have a deep respect for people of learning like doctors and teachers. Alimchan is such a learned man, he was a teacher for Arabic in Syria and speaks a bit of English. I am sure he was a person of esteem in the town where he used to live, and the other Syrians in the hotel hold him in high regard, this much is obvious when they speak to or of him. His manners are impeccable and he is always friendly in a slightly patronizing way towards his compatriots as well as towards us volunteers. He radiates an unwavering certainty that he is deserving of this displayed respect and he graciously acknowledges it.

Whenever I talk to him he has a small problem, he is never quite content with the situation. He answers only in English, refusing even the little bits of small talk which everybody else at the hotel uses when greeting visitors almost as if he has a constant need to emphasise his knowledge of English. Yet he only stands in his own light that way.

He is one of the few in the hotel who doesn’t own a bicycle. He has tried three different ones, he told my husband, but none of them were good enough. So he has none. He has already been granted asylum which means he has enrolled in an integration course. “Wie geht es in der Schule?” I ask him. “Not good, not good,” he answers. “They will not pay my train ticket.” Of course I ask why. “The school is only 2.9km from the hotel.” Indeed, this is the rule for students over the age of 10 in our area: if the distance between home and school is more than 3km the bus or train ticket is paid for by the authorities. Or in other words: a student can be expected to walk 3km to school (or use his bicycle). He looks at me mournfully: “I think I will switch schools and go to the next town, then I get a ticket.” He had a similar talk with me a few weeks back complaining that if he had to go to school in the next town he would have to get up early because the train ride would take 30 minutes and he wasn’t allowed to come even 5 minutes late to class. An earlier train, though, seemed like an imposition.

He is having great difficulties in Germany, and I fear his problems will only get bigger. Adjusting to life in Germany is not easy for a refugee. It must be even harder for somebody who used “to be someone”. I am aware of that. But if Alimchan does not understand soon that he cannot rely on his old achievements or his status from before, he will not be able to create a successful life for himself. The others who are facing the future with more frankness and more urge will inevitably overtake him.

083 entitlement
Fast alle Flüchtlinge, mit denen ich bis jetzt zu tun hatte, sind Handwerker, die in ihren Heimatländern, normalen Berufen nachgegangen sind, sie sind Schneider, Friseure, Automechaniker und ähnliches. Die meisten haben einen tiefgehenden Respekt für studierte Menschen wie Ärzte und Lehrer. Alimchan ist so ein Studierter, er war Arabischlehrer in Syrien und kann ein wenig Englisch sprechen. Ich bin sicher, dass er in der Stadt, in der er früher lebte, großes Ansehen genoss. Die anderen Syrer im Hotel bringen ihm Hochachtung entgegen, was man an der Art, wie sie mit ihm und von ihm sprechen, merkt. Sein Benehmen ist tadellos und er ist immer auf eine etwas herablassende Art freundlich gegenüber seinen Landsleuten, aber auch gegenüber uns Freiwilligen. Er strahlt ein unerschütterliches Bewusstsein aus, dass ihm der entgegengebrachte Respekt zu Recht gebührt, und er lässt sich gnädig herab, ihn anzunehmen.

Jedesmal, wenn ich mit ihm rede, hat er ein kleines Problem, nie ist er ganz zufrieden. Er antwortet mir nur auf Englisch, selbst die wenigen deutschen Brocken, die inzwischen jeder im Hotel Besuchern zuruft, verweigert er, fast als müsse er seine Gelehrtheit, die Tatsache, dass er Englisch kann, immer wieder betonen. Er steht sich damit aber nur selbst im Weg.

Er ist einer der wenigen im Hotel, die kein Fahrrad besitzen. Er hat drei Stück ausprobiert, so hat er meinem Mann erzählt, und keines war gut genug. Also hat er gar keines. Er hat bereits seinen Asylantrag bewilligt bekommen, deswegen konnte er sich in einen Integrationskurs einschreiben. „Wie geht es in der Schule?“ frage ich. „Not good, not good“, antwortet er, „they will not pay my train ticket.“ Natürlich frage ich nach, warum seine Fahrtkosten nicht gezahlt werden. “The school is only 2.9km from the hotel.” Das ist ja auch die Regel für alle Schüler über 10 Jahre bei uns: nur wenn die Entfernung zwischen Wohnung und Schule mehr als 3 Kilometer beträgt, übernimmt das Land die Beförderungskosten. Oder umgekehrt: einem Schüler kann zugemutet werden, bis zu 3 Kilometer zur Schule zu gehen (oder mit seinem Fahrrad zu fahren). Er schaut mich trübselig an: „I think I will switch schools and go to the next town, then I get a ticket.“ Seine Überlegung ist, dass er die Fahrtkosten ersetzt bekommt, wenn er zur Schule in der Nachbarstadt wechselt. Wir hatten vor einigen Wochen ein ähnliches Gespräch miteinander, da beklagte er sich, dass er, um rechtzeitig zur Schule in besagter Nachbarstadt zu kommen, früh aufstehen müsste, weil die Straßenbahn eine halbe Stunde Fahrtzeit hätte und er nicht einmal fünf Minuten zu spät zum Unterricht kommen dürfte. Einen früheren Zug zu nehmen empfand er jedoch als Belastung.

Er hat große Probleme in Deutschland, und ich habe die Befürchtung, dass es nicht einfacher für ihn werden wird. Sich an das Leben in Deutschland zu gewöhnen, ist für Flüchtlinge nicht einfach. Es muss für diejenigen unter ihnen, die dort angesehen waren, noch schwerer sein. Das ist mir durchaus bewusst. Aber wenn Alimchan nicht bald versteht, dass er sich nicht mehr auf seine alten Errungenschaften oder seine gesellschaftliche Stellung von früher berufen kann, dann wird er es nicht schaffen, sich hier ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Die anderen, die mit mehr Offenheit und mehr Elan an die Zukunft herangehen, werden ihn unweigerlich überholen.

 

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