The great birthday conspiracy – Die große Geburtstagsverschwörung

Über die Hälfte der Teilnehmer in meinem Kurs sind am 1. Januar geboren. Niemand will zugeben, dass das Datum falsch ist, auch wenn es statistisch unglaubwürdig ist. Ich habe diese seltsame Tatsache nicht weiter hinterfragt, da ich dachte, dass sie vielleicht ihren richtigen Geburtstag gar nicht kennen oder dass sie ihre Ausweise verloren oder vernichtet.

Scheinbar nicht. Ich habe eine Geschichte gehört, die dieses Phänomen vielleicht erklärt. Ein junger Flüchtling kam in einem Erstaufnahmelager an und stellte dort seinen Asylantrag. Theoretisch sollte dabei ein Angestellter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammen mit einem Dolmetscher anwesend sein. Nun kann es vorkommen, dass kein Dolmetscher verfügbar ist. Es kann aber auch vorkommen, dass kein BAMF-Mitarbeiter verfügbar ist und nur ein Dolmetscher. Der junge Mann behauptet, er sei mit einem Dolmetscher allein gewesen, der ihn nach seinem Alter gefragt habe. Er sagte, er sei 16. Der Dolmetscher soll dann angeblich gesagt haben: „Du siehst nicht aus wie 16, ich schreib 18 hin.“ Diese Geschichte, so wie sie mir erzählt wurde, hat einen glücklichen Ausgang. Der junge Mann konnte den Nachweis über sein tatsächliches Alter erbringen, und da er war hocherfreut, als sein richtiger Geburtstag endlich aufgeschrieben wurde (er hatte auch die Papiere, um zu beweisen, dass er erst 16 ist) und als unbegleiteter Minderjähriger kam er in eine Pflegestelle und geht jetzt zur Schule.

Ich habe von einem anderen Fall gehört, wo der Dolmetscher den Namen eines afghanischen Flüchtlings verkürzt haben soll, weil „der zu lang und kompliziert für Deutsche“ sei und der Flüchtling hieß nun plötzlich ganz anders. Ich habe wenig Zweifel an der Geschichte, weiß ich doch, dass die Transkription vom Arabischen oder von Farsi keineswegs eine genaue Wissenschaft ist ,und ich habe jeden Namen schon in mindestens zwei Schreibweisen gesehen. Ein Mann, der inzwischen wieder in sein Heimatland zurückgekehrt ist, wurde in der Klasse Alaa genannt und wir haben öfter gelacht, weil es für Deutsche anscheinend ziemlich schwierig ist, sprachlich zwischen Allah und Alaa zu unterscheiden. Ehrlich gesagt, ein bisschen unglücklich, diese Ähnlichkeit. „Alaa“ stand auf meiner Teilnehmerliste und er bestätigte, dass sein Name so geschrieben würde. Als ich seinen Namen heute auf einem anderen offiziellen Papier sah, war der Name „Ella“ geschrieben. Zugegebenermaßen auf andere Art auch ein bisschen unglücklich.

Man fragt sich langsam, ob diese behördliche Willkür eher die Norm oder doch nur die Ausnahmen sind.

088 birthday

More than half of the participants in my class have their birthday on 1 January. No one wants to admit that this is wrong but statistically it is highly implausible. I didn’t question this curious fact any further thinking that they may not know their actual date-of-birth or that they had lost or destroyed their identity papers.

Well, no. I heard a story which might explain this phenomenon. A young refugee arrived at an initial reception centre and filed his application for asylum. In theory, an official from the federal office for migration and refugees (BAMF) should be present together with an interpreter. It may happen that no interpreter is available. Apparently it may also happen that no official is available and only an interpreter is present. In the case of the young man he says he was alone with an interpreter who asked him for his age. He said he was 16. Then the interpreter allegedly said: “You don’t look 16. I make it 18.” This story, as it was relayed to me, has a happy ending. The young man could provide proof of his real date of birth, and being an unaccompanied minor he was placed with a foster family and is going to school .

I’ve heard of another case where an interpreter shortened the name of a refugee from Afghanistan because “it’s too long and complicated for Germans” and the refugee in question suddenly had a different name. I can believe this as transcription from Arabic or Farsi is by no means an exact science and I’ve seen every name in at least two versions, even on official papers. One man – he has since gone back to his home country – was known as Alaa in class and we had real fun because for Germans it is apparently quite impossible to pronounce this differently to Allah. A little unfortunate this similarity, to be honest. “Alaa” was his name on my class list and he acknowledged that this was how his name was written. When I saw his name on a different official list today, his name was spelled “Ella” – admittedly, rather unfortunate as well but in a different way.

One starts wondering whether arbitrary acts like these are the norm or the exception.

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