Retourkutsche – Tit for tat

When we moved into our first house, way-back-when, I made a point of getting to know the neighbours. We lived in a cul-de-sac and it was easy to just pop over and say hello. They offered their help should I need any and when the occasion arose I went to Sue and asked for advice on the best butcher in the area. I soon went again and asked for some sugar because I had run out while baking (yes, the classic situation). I asked a few more time for help and then I stopped. Sue was always friendly, quick to help, she went out of her way to be of assistance. So, why did I stop? Because she never asked me for anything in return. Our relationship was not balanced; I kept asking, she kept giving – be it advice, sugar, eggs, or time

Many of the refugees may feel the same. They come here and are reliant on our help whether it’s grudgingly or generously given, with a frown or a smile, we are the givers, they are the takers. The political discussions on many levels assume that they expect handouts and should be grateful to get them. Except … except they would much rather pay their way, by working, by becoming productive members of our society, by not relying on alms. They would prefer more balance in the relationship, somehow.

One of the students in my class is a hairdresser by training. My sister knows Zamirah, too, and since Zamirah knows the threading technique for the removal of facial hair and shaping of eyebrows Nina made an appointment with her last week. Nina was so impressed by Zamirah’s dexterity that she trusted her with a new haircut as well. She is so happy with it that she wants to go back in a month’s time.

My little grandson also needed a haircut so last Sunday afternoon the chairs in Zamirah and Harun’s hotel room which they share with their four children were pushed back to the wall, a plastic sheet was placed on the rug and we were in an impromptu salon. He was very concentrated during the procedure (he is only four and hair cutting is serious business at this age) and Zamirah cut his unruly mob in an elegant, almost grown-up looking style. Although I never had my eyebrows shaped she convinced me to have it done and while I’m still smarting a bit today I am quite pleased with the result. When I need another haircut in a couple of weeks Zamirah will have a new customer and I’m afraid, my former hairdresser will be out of one.

I’d be quite happy to pay Zamirah for her service (and no, I don’t want to discuss the problem of illicit work here) but I don’t think she will accept any money from me. She looked at me so proud and happy as if to say: “That’s my way of paying for the private taxi or for the German lessons.”

I hope I will teach her enough German so that someday she will be able to say: “Cut and blow-dry, that’ll be umty-something Euro, please!”

098 facial

Als wir vor vielen Jahren in unser erstes Haus einzogen, legte ich Wert darauf, die Nachbarn kennenzulernen. Sie boten mir ihre Hilfe an, sollte ich sie benötigen, und sobald es sich ergab, ging ich zu Sue hinüber und fragte sie um Rat, wo es den besten Metzger in der Nähe gäbe. Und bald ging ich wieder hin und fragte, ob sie etwas Zucker für mich hätte, da ich beim Backen war und meiner aus (ja, der Klassiker!). Ich bat sie noch ein paarmal um Hilfe und dann nicht mehr. Sue war immer freundlich, immer sofort bereit zu helfen, hatte immer Zeit, scheute keine Mühen. Warum hörte ich auf? Weil sie im Gegenzug mich nie um etwas bat. Unser Verhältnis war unausgeglichen; ich bat, sie gab – Rat, Zucker, Eier, Zeit.

Vielen der Geflüchteten mag es ähnlich gehen. Sie kommen her und sind auf unsere Hilfe angewiesen, ob sie widerwillig oder von Herzen gegeben wird, mit einem finsteren Blick oder mit einem Lächeln, wir sind die Geber und sie die Nehmer. Die politische Diskussion auf vielen Ebenen dreht sich darum, dass sie Unterstützung erwarten und froh sein sollen, milde Gaben zu bekommen. Nur … nur sie würden sich viel lieber selbst finanzieren, durch Arbeit, dadurch, dass sie produktive Mitglieder unserer Gesellschaft werden, ohne auf Almosen angewiesen zu sein. Sie würden ein irgendwie ausgeglicheneres Verhältnis bevorzugen.

Eine meiner Schülerinnen ist Friseurin. Meine Schwester kennt Zamirah auch und da Zamirah weiß, wie man mit Hilfe der Fadentechnik Gesichtsbehaarung entfernen und Augenbrauen formen kann, hat Nina sich letzte Woche mit ihr verabredet. Sie war von Zamirahs Fingerfertigkeit so beeindruckt, dass sie ihr auch einen Haarschnitt zutraute. Und Nina ist so zufrieden, dass sie nächsten Monat wieder hingehen wird.

Mein Enkel brauchte ebenfalls einen neuen Haarschnitt, und so wurden letzten Sonntag die Stühle in Zamirah und Haruns Hotelzimmer, dass sie mit ihren vier Kindern teilen, an die Wand geschoben, ein großes Plastiktuch über den Teppich gebreitet, und wir waren in einem improvisierten Friseursalon. Er war sehr konzentriert während der Prozedur (er ist erst vier und in dem Alter ist Haareschneiden noch eine ernste Angelegenheit) und Zamirah machte aus seinem widerspenstigen Haarschopf eine elegante, fast erwachsen wirkendende Frisur. Ich habe meine Augenbrauen noch nie in Form gebracht, aber sie überredete mich, es auszuprobieren und obwohl meine Haut heute immer noch ein bisschen spannt, wird Zamirah in etwa zwei Wochen, wenn ich einen neuen Haarschnitt brauche, eine neue Kundin haben und meine reguläre Friseurin, so leid es mir tut, eine verlieren.

Ich würde Zamirah gerne für ihre Dienste bezahlen (und nein, ich möchte hier jetzt nicht über Schwarzarbeit diskutieren), aber ich glaube, sie wird kein Geld von mir akzeptieren. Sie schaute mich so stolz und glücklich an, als wollte sie sagen: „Das ist meine Art für’s ‚Privattaxi‘ oder für die Deutschstunden zu zahlen.“

Ich hoffe, sie lernt genug Deutsch von mir, dass sie mir irgendwann sagen kann: „Einmal Schneiden und Föhnen, das macht dann soundsoviel Euro, bitte!“

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