Let us drink tea! – Lasst uns Tee trinken!

Fast jedes Mal, wenn ich die Kursteilnehmer wieder in der anderen Unterkunft abliefere, werde ich zum Tee eingeladen.  Ich war schon bei allen zu Gast und bewundere, wie  sie es schaffen, die Zimmer so makellos sauber und ordentlich zu halten.  Diese früheren Hotelzimmer waren nie für Dauerbewohnung, schon gar nicht von einer Familie ausgelegt.  Wahrscheinlich müssen sie so penibel sein, wenn sie nicht in Chaos und Dreck versinken wollen.  Nicht nur, dass sie zu dritt, zu viert oder gar zu sechst in einem Zimmer wohnen, sondern sie müssen auch all ihre Sachen darin unterbringen – ihre  Kleidung, Wäsche, Küchengeräte, Besteck, Geschirr, Lebensmittel, Toilettenartikel, usw.  Und dann gelingt es ihnen noch, das Zimmer gemütlich zu machen, mit den Töpfen in einer Ecke neben einem kleinen Kühlschrank, einem Fernseher auf einem kleinen Schränkchen, Plüschtiere auf den Kinderbetten und Bilder an der Wand.  Ich trete ein, ziehe die Schuhe aus und setze mich auf ein Bett, einen Hocker oder den Teppich.  Während ich die neusten Kinderzeichnungen bewundere, wird Tee zubereitet.  Als Gast bekomme ich die hübscheste Tasse.  Serviert wird mit Zucker und – da mein Ruf mir vorauseilt – mit Milch.

Manchmal sind viele im Zimmer dabei, aber heute sind es nur Sharif, Sema, ihre Tochter Malalai und ich. Hossein rührt seinen Zucker nicht in den Tee, sondern er nimmt einen Zuckerwürfel zwischen die Zähne und spült ihn mit dem ersten Schluck Tee in den Mund. Das beeindruckt mich aber nicht so sehr wie Semas gutes Deutsch als sie mit mir redet.  In der Klasse ist sie meist ruhig und macht den Eindruck, dass sie nicht gern aufgerufen wird und vor den anderen spricht.  Lesen fällt ihr schwer und Sharif sagt ihr viel zu schnell vor, um ihr aus der für sie unangenehmen Lage zu helfen.  Aber heute taut sie auf und ich freue mich riesig über ihre klare Aussprache als sie sagt: „Ich trinke gerne Tee.  Ich trinke Tee mit Zucker.“

Sie erzählen mir von Afghanistan und Iran, wo sie schon eine Zeitlang gelebt haben, bevor sie sich auf den Weg nach Europa machten.  Nicht nur, dass ihre 10jährige Tochter im Iran geboren ist, sondern Hossein erzählt davon, dass seine Mutter mit ihm schwanger war, als sie viele Jahre zuvor aus Afghanistan geflohen ist.  Das lässt mich von meiner Schwiegermutter und ihrer Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg erzählen.

Deshalb gebe ich hier ein Plädoyer fürs Teetrinken.  Guter Unterricht im Klassenzimmer ist die Voraussetzung, aber erst der persönliche Kontakt zwischen Lernern und Lehrern macht Lernen wirklich erfolgreich. Und auch so viel lohnender für den Lehrer.

110 shoes

Almost every time I deliver my charges back at the other accommodation for refugees, I am invited to have tea.  I’ve been to all of their rooms and admire how spotlessly clean and tidy they keep them.   These former hotel rooms were never meant to house somebody permanently, let alone a whole family.  They probably have to be exemplary in this if they don’t want to succumb to chaos and dirt.  They not only live in this room three, four, six at a time but have to keep all their possessions in it as well – their clothes, linen, kitchen utensils, cutlery, crockery, groceries, toiletries, etc.  And still they manage to make it comfortable, with the pots in one corner, close to a small fridge and cupboard, a TV on a little stand, soft toys on the children’s beds and pictures on the wardrobe.  Entering the room, I take of my shoes and sit on one of the beds, a stool or the carpet.  While I admire the latest children’s drawings tea is prepared.  As the guest I am usually offered the most precious cup.  It’s served with sugar and – because my reputation precedes me – with milk.

Sometimes there is quite a crowd in the room but today it is just Sharif, Sema, their daughter Malalai and me.  Hossein doesn’t stir the sugar in his cup but puts the sugar cube between his teeth and swishes it in his mouth with the first sip.  This doesn’t impress me half as much as hearing how good Sema’s German is when she talks to me.  In class she is rather quiet and seems to hate being called on and having to talk in front of the others.  She struggles with reading and Sharif is far too quick to help her out of potentially uncomfortable situations.  But she comes out of her shell today and I am really pleased by her clear pronunciation when she says:  “Ich trinke gerne Tee.  Ich trinke Tee mit Zucker.” (I like to drink tea.  I drink tea with sugar.)

They tell me about their life in Afghanistan and Iran, where they lived before making their way to Europe.  Not only their 10-year-old daughter was born in Iran, Sharif relates how his mother was pregnant with him when she fled from Afghanistan many years earlier.  This in turn prompts me to mention my mother-in-law’s displacement after the second world war.

So here is my plea for drinking tea.  Good classroom teaching is the groundwork but only personal contact between learners and teachers makes for really successful teaching.  It is also what makes it so much more worthwhile for the teacher.

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