Drei mal drei ist neun – Two times two is four

I didn’t feel very well today so when half of my class disappeared because of doctor’s appointments, work commitments, and consultations with the foreigners’ office I took out a board game and sat with the rest of my students at the table.

It is a game for children to learn the times table but so far I have only used the little cardboard cards to practice numbers.  Besides the fact that I consider numbers to be important, I also think that words like fünfundsechzig, sechsundachtzig, zwölf, and vierundfünfzig are amongst the most difficult words to pronounce in German.

It is difficult to do math in a foreign language with strange characters.  I remember HOW difficult from my time living in Saudi – first, one mentally translates the numbers into one’s own writing and then language, then one does the sums, and finally one translates the result back into the foreign language and ciphers.  After two halting rounds with everybody struggling it was Zamirah’s turn again.  She looked with dismay at the cards and said despairingly: “This – I cannot.”

And then it hit me: she doesn’t know how to calculate.  And then: of course!  How could she?! She’s never been to school.  So far we’ve done a bit of adding prices when we talked about shopping and I always put her hesitation down to language problems but now it’s glaringly obvious: she is mathematically illiterate. Nobody has ever explained multiplication to her.  She can add, can probably subtract, but not divide and multiply.  And very probably she is only the most honest of my students.

I am ashamed that I haven’t noticed this earlier. I am also asking myself how I can close this gap.  Will I be able to do it? Is it even my job?

I’ve sat down tonight at my desk and instead of preparing vocab sheets or initial sound tables I’ve produced learning materials for math.  It could be argued that I should stick to teaching my students the German language, possibly with a bit of culture and social studies thrown in, but this cannot be all. My job or rather my task is to prepare them as best as I can for their life with us.  Even if it does include math.

maths

Mir ging es heute nicht besonders gut, weshalb ich, nachdem dank Doktorterminen, Arbeitsverpflichtungen und Besuchen bei der Ausländerbehörde meine Klasse auf überschaubare Größe geschrumpft war, ein Spiel auspackte und mich zu dem Rest meiner Schüler an den Tisch setzte.

Es handelt sich um ein Spiel, um das Einmaleins zu lernen, aber bislang habe ich die Kartonkärtchen nur benutzt, um  Zahlen zu üben.  Abgesehen davon, dass ich Zahlen für wichtig halte, gehören die Wörter fünfundsechzig, sechsundachtzig, zwölf und vierundfünfzig zu den am schwierigsten auszusprechenden Wörtern der deutschen Sprache.

Es ist schwer in einer fremden Sprache, mit fremden Ziffern, zu rechnen.  Ich weiß noch, WIE schwer aus meiner Zeit in Saudi – man übersetzt die Zeichen erst im Kopf in die eigene Schrift und dann Sprache, dann rechnet man die Aufgabe aus, und schließlich übersetzt man das Ergebnis wieder in die Fremdsprache und die anderen Ziffern zurück.  Nach zwei holprigen Runden, in der alle Schwierigkeiten hatten, kam die Reihe wieder an Zamirah.  Sie schaute bestürzt auf die kleinen Nummernkärtchen und sagte dann verzweifelt: „Das  – ich nicht.“

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: sie kann überhaupt nicht rechnen.  Natürlich, wie sollte sie auch!?  Sie ist nie in eine Schule gegangen.  Wir haben manchmal im Unterricht Preise zusammengezählt, wenn wir übers Einkaufen geredet haben, und ich habe mir ihr Zögern immer mit Sprachproblemen erklärt.  Aber jetzt ist klar, dass sie nie gelernt hat zu rechnen.  Niemand hat ihr je das Einmaleins erklärt.  Sie kann addieren und wahrscheinlich auch subtrahieren, aber nicht dividieren oder multiplizieren.  Und höchstwahrscheinlich war sie nur die Ehrlichste in der Klasse.

Ich schäme mich, dass ich das nicht vorher bemerkt habe.  Ich frage mich auch, wie ich diese Lücke schließen kann.  Bin ich in der Lage, das zu tun?  Gehört das überhaupt zu meinem Job?

Ich habe mich heute Abend an meinen Schreibtisch gesetzt und statt Vokabellisten und Anlauttabellen vorzubereiten, habe ich Rechenblätter erstellt.  Man könnte der Meinung sein, dass ich mich darauf konzentrieren sollte, meinen Schülern die deutsche Sprache beizubringen, vielleicht mit ein bisschen Kultur- und Gesellschaftskunde verbrämt, aber das kann nicht alles sein.  Mein Job oder besser meine Aufgabe besteht darin, dass ich sie so gut ich kann auf ihr Leben bei uns vorbereite.  Auch wenn das Mathematik beinhaltet.

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