Signed, sealed, delivered – Trara, die Post ist da!

Es kommt relativ häufig vor, dass einer meiner Schüler oder ein anderer Bewohner des Hotels mit einem Brief zu mir kommt und mich um Hilfe bittet.  Viele Informationen, die ich über die Leute und ihr Leben in Deutschland habe, habe ich aus solchen Briefen.  Die meisten wissen inzwischen, dass es in Deutschland „viel Papier“ gibt und ich widerspreche ihnen da nicht.  Manch Kommunikation grenzt allerdings ans Absurde.

Oftmals handelt es sich um Briefe von Geldinstituten (Flüchtlinge müssen ein Konto haben), z.B. wenn diese ihre AGBs ändern.  Sie sind gesetzlich verpflichtet, diese Briefe zu schicken, aber ich kennen niemanden, der sie wirklich liest.  Die meisten Deutschen werfen sie sofort nach dem Öffnen weg.  Aber wenn ich einen kurzen Blick darauf werfe und dann einem Flüchtling sage, er soll das Papier in den Abfall werfen, schaut er mich recht ungläubig an.  Ich kann ihm da keinen Vorwurf machen, aber ich kann es auch nicht erklären.  Meist fragen sie dann noch andere Ehrenamtliche, bis sie es wirklich glauben.

Andere Briefe kommen vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) oder anderen Ämtern und ich gebe meine Bestes, die Inhalte zu vermitteln, meist sind die Schreiben in bestem Beamtendeutsch gehalten, das auch für Deutschsprachige schwer zu verstehen ist.

Heute wedelte Sami mit einem Umschlag vor mir herum, der an seine Mutter (die im Irak ist) adressiert war.  Sie wurde gebeten, mit ihrer minderjährigen Tochter Sami, zu einem Termin um 10 Uhr im Hotel zu erscheinen.  Sami hatte keine Idee, um was es gehen könnte und wo das Treffen stattfinden sollte.  Es war bereits 10 Uhr und niemand war bis jetzt aufgetaucht.  Ich schlug vor, dass er im Klassenzimmer warten solle und dass ich den Wachleuten sagen würde, wo man ihn finden könne.  Eine halbe Stunde später klopften zwei Damen an der Tür und freuten sich, Sami hier zu finden, jedoch hatten sie eine junge Frau oder ein Mädchen erwartet.  Ich stellte Sami vor und bekam dann die Information, dass der Brief von Samis Vormund geschrieben worden war.  Ein Vormund, der auf Veranlassung des Jugendamtes von einem Gericht bestellt ist, weil er ein unbegleiteter Minderjähriger ist.  Ein Vormund, der daher wissen sollte, dass seine Mutter nicht zu einem Treffen in Deutschland kommen kann.  Ein Vormund, der für Samis Angelegenheiten verantwortlich ist bis er 18 wird und der anscheinend nicht mal weiß, dass er männlich ist.  Ich frage mich, wie bezeichnend das für das ganze System ist.

146 postbox

It happens fairly frequently that one of the students or other inhabitants of the hotel approaches me with a letter and asks my help.  A lot of my information about the people and their lives in Germany stem from such letters.  Most of them have learned that in Germany there is “lots of paper” and I won’t argue with them.  Some of the communication is pretty absurd, though.

Often these are letters from banks (the refugees need to have an account), e.g. when they change their terms and conditions.  The law demands that these letters are sent but I don’t know anybody who really reads them.  Most Germans discard them as soon as they open them.  But when I take a look and tell a refugee to throw such a piece of paper in the bin he usually looks at me with blatant disbelief.  And I can’t really blame him but I don’t know how to explain.  Mostly they will ask other volunteers until they finally belief it.

Other letters are from the federal office for refugees and migrants or other official departments and I do my best to explain the contents, which are usually written in bureaucratic language that is difficult to understand even for German natives.

Today Sami brandished an envelope at me, addressed to his mother (who is in Iraq). She was asked to attend a meeting at 10 o’clock at the hotel together with her underage daughter Sami.  Sami had no idea what the meeting was about or where exactly it should take place.  It was ten o’clock already and nobody had shown up.  I suggested that he should wait in the classroom and that I would tell security where to find him.  Half an hour late two ladies knocked at the door and were very pleased to find Sami except that they expected to find a young woman or a girl.  I made the introductions and was then informed that his official guardian had written the letter.  A guardian who was appointed by a court of law at the instigation of the child welfare authorities because he is an unaccompanied minor.  A guardian who should therefore know that his mother cannot attend a meeting in Germany.  A guardian who is responsible for Sami’s affairs until he turns 18 and who apparently doesn’t even know that he is male.  I wonder how indicative this is for the whole system.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s