Black holes – Schwarze Löcher

Unsere Lektionen beinhalten fast immer drei Schwerpunkte: die Einführung eines neuen Buchstabens oder einer Buchstabenkombination, ein Themengebiet mit einem bestimmten Vokabular sowie ein grammatikalisches Thema.

Die momentane Lektion behandelt Kleidung  und Possessivpronomen.  Konkret heißt das wir üben Sätze wie „seine Jacke ist blau“ und „ihr Rock ist gelb“.  Im Lehrerhandbuch wird empfohlen, Bilder von bekannten Personen mitzubringen und diese beschreiben zu lassen.  Das klingt eigentlich einfach, aber es ist gar nicht so leicht, Personen zu finden, die weltweit bekannt sind.  Ich habe mich  für Barack Obama, Angela Merkel, Königin Elizabeth von England, Malala Yousafzai und Nelson Mandela entschieden.

Merkel wurde von allen Teilnehmern erkannt, Obama nach einem zweiten Hinsehen ebenso.  Keiner kannte Königin Elizabeth.  Auch Malala  war allen unbekannt, selbst den afghanischen Teilnehmern, aber das wusste ich aus einem früheren Gespräch und ich wollte die Gelegenheit nutzen, noch einmal auf diese bemerkenswerte junge Frau aus ihrem eigenen Kulturkreis hinzuweisen.  Mit Nelson Mandela dachte ich, ich sei auf der sicheren Seite – und wurde enttäuscht:  mit Ausnahme von Nia aus Somalia, die ihn zwar nicht auf dem Bild erkannte, aber den Namen schon mal gehört hatte und sich über einen Mit-Afrikaner in meiner Auswahl freute, kannte ihn niemand.

Dann sprachen wir über andere bekannte Persönlichkeiten.  Mich interessierte, welchen gemeinsamen Nenner wir finden könnten.  Meine Schüler wollten mir gefällig sein und der nächste Name, der fiel, war – Hitler.  Mein Gesicht muss meine Bestürzung gezeigt haben, denn Harun fragte verwundert: „Hitler – nicht gut?“

Dies hatte nichts mit der anti-jüdischen, rassistischen Hitlerbewunderung zu tun, die mir manchmal in Saudi Arabien begegnet ist (d.h. „wenn er Juden umgebracht hat, kann er nicht schlecht gewesen sein“), sondern beruhte auf totaler Unwissenheit.  Dass Hitler Deutscher war, bedeutet in ihren Augen, dass er gut war oder zumindest, dass die Deutschen ihn für gut halten. Ich war erstmal fassungslos.  Sie denken, dass sie ihre Sympathien für und ihre Loyalität zu Deutschland dadurch zeigen, dass sie Deutsches nicht in Frage stellen.

In den restlichen Minuten des Unterrichts habe ich versucht, ihnen über den zweiten Weltkrieg und seinen Grauen zu erzählen.  Ich weiß nicht, wieviel sie davon verstanden haben. Mir wurde sehr deutlich vor Augen geführt, dass zumindest die einfachen Flüchtlinge, die mit wenig oder gar keiner Schulbildung nach Deutschland kommen, keinerlei Wissen über westliche Geschichte mitbringen.  Sie wissen kaum, dass es einen Weltkrieg gegeben hat, ganz zu schweigen davon, wieviel  Zerstörung und Leid, die er gebracht hat.

Die verpflichtenden Sprach- und Integrationskurse, die auf alle nach Deutschland geflüchteten Menschen zukommen, bestehen aus 600 Stunden Sprachunterricht und einem 60 Stunden dauernden „Orientierungskurs“, in dem über die deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur gesprochen wird, sowie über Rechte und Pflichten in Deutschland, die Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft und Werte, die in Deutschland wichtig sind, zum Beispiel Religionsfreiheit, Toleranz und Gleichberechtigung.

Und ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll.

153 poppies

Our lessons usually have three focal points: the introduction of new letters or letter combinations, a theme which introduces a certain vocabulary, and a grammatical topic.

The current lesson deals with clothing and possessive pronouns.  This means we are practising phrases such as “his jacket is blue” and “her skirt is yellow”.  The teaching instruction advices to bring in photos of known personalities and have them described.  This sounds easy enough but it is rather difficult to find persons who are universally known.  I decided on Barack Obama, Angela Merkel, Queen Elizabeth II, Malala Yousafzai, and Nelson Mandela.

Merkel was recognised by all, so was  Obama, at least after a second look.  Nobody knew Queen Elizabeth.  Neither did anyone know about Malala, not even the Afghan participants but I had anticipated this from an earlier talk and I wanted to use the opportunity to arouse their interest in this remarkable young woman from their own cultural background.  I thought I had a winner with Nelson Mandela – and was sorely disappointed: nobody knew of him except for Nia from Somalia who didn’t recognise him from the picture but had heard his name before and was quite delighted to find a fellow African in my selection.

We then proceeded to talk about other well-known personalities.  I was interested in finding commonalities.  My students wanted to please me so the next name that came up was –Hitler.  My face must have shown my dismay because Harun asked in a rather puzzled manner: “Hitler –no good?”

This had nothing in common with the anti-Jewish, racist admiration of Hitler which I have encountered on a few occasions in Saudi Arabia (i.e. “if he killed Jews he can’t have been bad”) but was rather based on total ignorance.  In their eyes Hitler being German meant he was good or at least Germans must think he was good.  I was stunned.  They think they are showing their sympathy for and loyalty to Germany by not questioning anything German.

In the remaining minutes of the class I tried to tell them about the second world war and the horrors of it.  I have no idea how much they understood.  I was shown very clearly that at least those refugees who come with little or no formal schooling to Germany bring with them no knowledge about western history.  They hardly know that there was a world war let alone about the destruction and sorrow it brought.

The compulsory language and integration courses which await all those people who are seeking refuge in Germany consist of 600 hours language instruction and a 60 hour “orientation course”.  This latter comprises information about the German legal system, history and culture, rights and duties for people living in Germany, societal interactions, and values which are important in Germany, e.g. freedom of religion, tolerance and equality.

And I don’t even know where to start.

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