The right direction – Die rechte Richtung

“Bitte geht zur Seite 66 in eurem Buch!“ sage ich meinen Schülern am Anfang der Klasse.  Und alle, ausnahmslos alle, schlagen ihr Buch von hinten auf und arbeiten sich nach vorne zur richtigen Seite.   Wenn ich ihnen sage, sie sollen die nächste Seite aufschlagen, gehen sie erst eine Seite zurück, bevor sie merken, dass das die falsche Richtung war.  Von rechts nach links zu schreiben (wie das in Farsi und Arabisch der Fall ist) bedeutet auch ein Buch andersherum zu lesen.

So ein kleiner Wink, was den Hintergrund meiner Schüler betrifft, ist nicht schlecht.  Ich werde ganz gern an diese Unterschiede erinnert, sie halten mich als Lehrer auf Trab.  Es ist so leicht zu vergessen, dass viele Dinge, die wir als gegeben voraussetzen, neu für sie sind, entweder gänzlich fremd oder zumindest anders, als sie es gewohnt sind.

Als ich mit dem Unterricht begann, merkte ich schnell, dass ihnen grundlegende Fähigkeiten fehlten, die wir im Unterricht für unabdingbar halten.  Zum Beispiel wussten sie nicht, wie man einen Hefter oder einen Locher benutzt und wie man Blätter in einem Hefter ablegt. Mit Vokabelkarten zu arbeiten ist kein automatischer Prozess und muss durch immer wiederkehrendes Zeigen erlernt werden (da mir die Sprache fehlt, ihnen die Methode zu erklären).  Klebstifte waren neu für sie, aber ihre Funktion erklärt sich von selbst).  Sie haben sich alle über meinen lustigen Spitzer in Form eines Fußballs gewundert und hatten zuerst Schwierigkeiten ihn zu benutzen.  Nia weigert sich standhaft mit einem Bleistift zu schreiben und besteht auf einem Kugelschreiber, mit dem sie nicht nur eine hässliche, fast unleserliche Handschrift hat, sondern es ihr auch schwer macht, Fehler zu korrigieren.  Sema ist genau das Gegenteil, sie malt mehr, als dass sie schreibt, es sieht sehr schön aus, aber es ist alles andere als flüssig.  Sie würde nie einen Fehler überschreiben, sie radiert mit Hingabe den ganzen Satz weg und schreibt nochmal alles neu.

Natürlich sind dies keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten, aber als Lehrer ist es wichtig, die Balance zwischen Herausforderung und Überforderung zu finden.  Ich muss die Lerner da abholen, wo sie sind, um sie dahin zu führen, wo das eigentliche Sprachenlernen erst anfängt.

155 punch

“Please open your books on page 66,” I tell my students at the beginning of class.  And all of them, but really all of them, open their books from the back working their way to the right page.  If I tell them to go to the next page they first go one page back before they realise that this is the wrong direction. Writing from right to left (as is the case in Farsi and Arabic) also means that you read a book the other way around.

It’s a little reminder of the background of my students.  I quite like to be reminded of these differences occasionally because it keeps me on my toes as a teacher. It’s so easy to forget that many things which we take for granted are new to them, either just strange or at least different to what they are used to (and by the way, this does not only apply to learning German).

When I started with my classes I realised quickly that they lacked very basic skills which we consider vital in school.  For example, they didn’t know how to use a stapler or a hole-punch and how to file papers in a binder.  Working with index and flash cards doesn’t come natural and has to be learned by showing over and over again (as I am lacking the language to explain the method). Glue sticks were also new to most of them but luckily they are self-explanatory.  They marvelled at my novelty sharpener and had problems using it at first.  Nia steadfastly refuses to write with a pencil and insists on a ballpoint pen with which she  produces ugly, almost unreadable handwriting and makes it difficult to correct mistakes.  Sema is on the opposite scale, she paints rather than writes her letters which looks beautiful but by no means fluent.  She would never correct over a mistake but rather meticulously erases a whole sentence and write the whole line new.

Of course, these are not insurmountable difficulties but as teacher it is important to find the balance between a challenge and asking too much.  I have to meet the learners at their level first before leading them to where the actual language learning can start.

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