We need more German classes, we need more language teachers! – Wir brauchen mehr Deutschkurse, wir brauchen mehr Sprachlehrer!

Laut einer Umfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von Anfang Juli hatten bis dahin die großen Dax-Konzerne gerade einmal 54 (in Worten: vierundfünfzig!) Flüchtlinge eingestellt.  Die Politik fordert daraufhin mehr Engagement der großen Firmen.  Die Industriesprecher bitten im Gegenzug um Geduld – vor allen Dingen fehle es den geflüchteten Menschen an Deutschkenntnissen.

Recht haben beide Seiten. Es ist tatsächlich so, dass man Menschen nur dann sinnvoll ausbilden kann, wenn sie die Sprache verstehen, ansonsten bleiben ihnen nur Hilfsjobs, in denen sie dann hängenbleiben, weil sie weder Geld noch Zeit noch Energie haben, um Deutschkurse zu besuchen.

Wie wäre es aber, wenn sich die Industrie um Deutschkurse kümmern würde?  Bei den großen Firmen gibt es Fremdsprachenkurse für Berufsanfänger und Management – warum nicht auch Deutschkurse für geflüchtete Menschen mit Potenzial?  Lehrer fortbilden und zu fairen Löhnen beschäftigen und ehrenamtliche Helfer dort einsetzen, wo sie wirklich helfen können: als Unterstützung für individuelle Schüler oder in Kleingruppen.  Die Firmen würden mit Sicherheit davon profitieren.

Integration besteht nicht nur aus Sprache, aber ohne die Basis Sprache kann Integration nicht erfolgreich sein.  Wenn ich mich unter den hiesigen Flüchtlingen umschaue – da gibt es noch viele, die überhaupt keinen Sprachkurs hatten.  Die ehrenamtlichen Helfer beschweren sich, dass ihre Kurse oft nur unregelmäßig besucht würden, was leider stimmt.  Die Gründe dafür sind vielfältig, sie reichen von der besonderen Situation der Flüchtlinge, denen lernen oft schwer fällt, bis zu den unerfahrenen Lehrkräften, die sich mit unerprobten Konzepten durchwursteln und mit größeren Klassen überfordert sind.

Von meinen ursprünglich 18 Schülern sind mir 11 verblieben.  Die meisten derjenigen, die nicht mehr kommen, arbeiten inzwischen – leider in den erwähnten Hilfsjobs.  Die Westafrikaner, die mich ja nur als Zusatzlehrer verstanden haben, sprechen fast alle Englisch oder Französisch, was es ihnen leichter macht, sich zurechtzufinden.  Walid aber arbeitet bei einem Gartenservice, „ich Rasenmäher“, sagt er, und sein Deutsch stagniert.  Latifa hat nach der Geburt ihres Babys versucht, weiterzumachen, aber die Belastung mit einem Säugling und einem Kleinkind war zu groß, auch hat sie einfach nicht mehr den Anschluss an die Gruppe gefunden.  Nia ist aus dem Krankenhaus entlassen und und auch ihre Lücken sind groß, aber sie kommt jetzt wieder zum Unterricht. Abdullah ist der einzige, den ich wirklich „verloren“ habe – ihm fehlt die richtige Verfassung, er ist oft unterwegs, Freunde und Bekannte von Zuhause suchen oder besuchen, dann schläft er wieder tagelang, von seiner Frau und seinen Töchtern in Syrien spricht er nicht mehr; sein Sohn geht hier in die Schule, die anderen Bewohner kümmern sich um ihn mit, auf meine Fragen nach seinem Papa weicht er aus.  Eigentlich eine ganz gute Bilanz – aber gemessen an einer Million Flüchtlinge ziemlich lächerlich.

In der Zwischenzeit komme ich mir vor wie eine Gebetsmühle, ohne große Hoffnung, dass dies irgendwelche Entscheidungsträger beeinflusst: wir brauchen mehr Sprachlehrer, wir brauchen mehr Deutschkurse.

180 German

According to a survey commissioned by a large German newspaper, the large companies listed on the German stock exchange had hired a grand total of 54 refugees up to June this year.  Fiftyfour!  Politicians have consequently demanded more initiative from the large companies.  The industrial representatives in turn asked for more patience – the displaced people first need to better their German.

Both sides have a point, of course.  It is a fact that people can only be trained effectively if they are able to understand and speak the language, otherwise they will end up with lowly jobs where they will be stuck because they will have neither the money nor the time nor the energy to enrol in language classes.

But how would it be if the industry were to invest in German courses?  Large companies are offering language courses in a variety of foreign languages to their trainees and management – why not offer German courses for refugees with potential?  Train teachers and hire them for fair wages and use volunteers where they can really help: as support for individual learners and small groups.  The companies would certainly profit from this.

Integration is not only a language issue but without language integration cannot be successful.  If I look amongst the refugees here in town – there are many who have never been to a German course.  The volunteers are complaining that attendance in their classes is erratic, which is unfortunately true.  The reasons are manifold, starting with the individual situations of various refugees, who often have difficulties to learn, up to inexperienced teachers who muddle through with untried concepts and are overtaxed with larger classes.

11 from my original 18 students are still with me.  Most of those who have stopped coming have done so because they have found work – unfortunately, mostly in temp jobs as mentioned above.  The West Africans (who only considered me as an additional teaching aide) mostly speak French or English which makes it easier for them to get by.  But Walid works with a garden service, “I lawnmower” he explains, and his German stagnates.  Latifa has tried to keep going after the birth of her baby but the burden of caring for a toddler and a baby was too much and she never caught up with the group again.  Nia has been discharged from hospital and she struggles with large gaps but she attends classes again.  The only student I have really lost is Abdullah – he is just not in the right frame of mind, he is often away, looking for or visiting friends from back home, then he comes back and sleeps for days on end; his son goes to school here in town, the other inhabitants help to care for him, he keeps ignoring questions from me about his dad.   All in all quite a good return – but compared to one million refugees rather ridiculous.

In the meantime I keep repeating my mantra without much hope that somebody in charge will hear it: we need more language teachers, we need more language courses.

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One thought on “We need more German classes, we need more language teachers! – Wir brauchen mehr Deutschkurse, wir brauchen mehr Sprachlehrer!

  1. Du tust, was Du kannst. Das ist mehr als mancher von uns zu Stande bringt.
    Sei stolz auf Dich und Deine Sprach-Elf.
    Auch kleine Schritte führen zum Erfolg.
    Ich habe großen Respekt vor Deiner Leistung.

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