Stolz und Gebiss – Pride and dentures

I admit that I originally hoped that the second alpha course would mean less preparation time for me.  Well, yeah, the teacher proposes, the class disposes, or something of the kind.  But  yes, I can go back to my old notes and self-made worksheets and it does safe time not having to refer as often to the teaching guidelines.  On the other hand I have completely different course participants who have different qualifications and requirements.  They challenge me in completely different ways.

The students in the old course were relatively new to Germany, the alphabetisation course was often their first contact with the German language.  Explanations were by necessity reduced to a minimum, going into details was not possible.  One of the hardest things for me was to explain the exercises as such, often I could do nothing but give examples and the results were often less than satisfactory.

It is different with the present course.  The students have all been in Germany for at least a year.  They have been in classes with volunteer teachers but because they cannot read or write Latin letters and to some extent because they lack formal schooling in Arabic they weren’t able to start an A1 or integration course with any chance of success.  Most can understand quite a lot, they know a lot of words but no grammatical structure and can’t articulate themselves which leads to a lot of misunderstandings and frustrations.

The other day Rifat ask me why one had to learn grammar at all.  Just new words would be good, he said.  So I had to think of relevant examples why grammar is important.

But most of the time I enjoy the fact that I can actually talk with these learners.  I can start class with a funny story.  Since by now four of them have regular dentist appointments and occasionally sit in class with more or less swollen cheeks, dentists and teeth are a fruitful topic.  And so I told them the denture story.

An elderly acquaintance of mine had dentures, unfortunately not very well fitting dentures.  They hurt her so much that she only wore them when in public. At home she went without unless she was eating.  When she and her husband went for long walks in the woods she put them in her pocket as soon as they were far enough away from the village and unlikely to meet anyone.  One cold winter’s day she wore a warm coat and was all wrapped up.  Probably because of her thick gloves she didn’t notice when she put the dentures not in her coat pocket but dropped them on the ground.  She only noticed that they were missing when she was almost home.  She ran back the whole way but couldn’t find them.  The next few days she locked herself in her bedroom and refused to see anybody.  But after a week or so she had to swallow her pride and go to the local lost and found.  She asked sheepishly if anybody had turned in some dentures. To her utter surprise the official bent down and put a whole drawer on the counter containing no less than fifteen dentures.  “Take your pick,” he said with a straight face.  My acquaintance went back home – without teeth, she could not bring herself to try out one or two from the drawer.

And my students actually all laughed about the story!

214-teeth

Ich geb ja zu, dass ich ursprünglich gehofft habe, dass der zweite Alphakurs weniger Vorbereitungen bedarf.  Tja, die Lehrer denken, die Schüler lenken, oder so ähnlich.  Es ist schon so, dass ich auf alte Notizen zurückgreifen kann, auch auf von mir gestaltete Arbeitsblätter, dass ich nicht so oft ins Lehrerhandbuch blicken muss.  Andererseits habe ich aber diesmal ganz andere Teilnehmer, die andere Voraussetzungen und Bedürfnisse haben.  Sie fordern mich auf eine ganz andere Art.

Die Schüler im alten Kurs waren alle erst relativ kurze Zeit in Deutschland, für sie war die Alphabetisierung auch meist der erste Kontakt mit der deutschen Sprache.  Erklärungen mussten sich notgedrungen auf ein Minimum beschränken, weit ausholen war nicht möglich.  Mit am schwierigsten fand ich, die Art der Übungen zu erklären, das ging oft nur über Beispiele und manchmal war das Ergebnis alles andere als befriedigend.

Beim jetzigen Kurs sieht das anders aus.  Die Schüler sind alle schon mindestens ein Jahr in Deutschland.  Sie haben schon einige Kurse mit Freiwilligen hinter sich, aber weil sie lateinische Buchstaben  weder lesen noch schreiben könenn, auch weil ihnen formale Schulbildung auf Arabisch fehlt, konnten sie nicht an einem A1 oder Integrationskurs teilzunehmen und hoffen, darin zu bestehen.  Die meisten verstehen oft schon recht viel, kennen viele Wörter, aber keine grammatischen Strukturen und können sich nicht artikulieren, was zu vielen Missverständnissen und Frustrationen führt.

Neulich hat mich Rifat gefragt, warum man überhaupt Grammatik lernen müsse. Immer nur neue Wörter, meinte er, dass wäre gut.  Also musste ich mir ein paar treffende Beispiele ausdenken, warum Grammatik wichtig ist.

Aber meistens genieße ich es, mit den Lernern richtig reden zu können.  Ich kann durchaus eine Stunde mit einer witzigen Geschichte beginnen.  Da inzwischen vier in der Klasse regelmäßig zum Zahnarzt gehen und gelegentlich mit geschwollenen Backen im Zimmer sitzen, ist Zahnarzt und Zähne ein ergiebiges Thema.  Und da erzählte ich die Gebissgeschichte.

Eine ältere Bekannte von mir hatte ein Gebiss, leider ein schlechtsitzendes.  Es tat ihr so weh, dass sie es nur in der Öffentlichkeit in den Mund tat. Zuhause ging sie ohne, außer wenn sie etwas aß.  Wenn sie mit ihrem Mann lange Spaziergänge durch den Wald machte, steckte sie das Gebiss, sobald keine Häuser mehr zu sehen und andere Spaziergänger kaum zu erwarten waren, in ihre Tasche.  An einem kalten Wintertag trug sie einen warmen Mantel und war gut eingemummelt.  Wegen der dicken Handschuhe merkte sie nicht, dass sie das Gebiss nicht die Manteltasche steckte, sondern dass es daneben fiel.  Erst als sie fast zuhause war,  merkte sie, dass es nicht mehr da war.  Sie lief den ganzen Weg noch einmal ab, aber das Gebiss war nicht zu finden.  Die nächsten Tage schloss sie sich in ihrem Schlafzimmer ein und weigerte sich, irgendjemanden zu treffen.  Nach einer Woche blieb ihr aber nichts anderes übrig, als ihren Stolz hinunter zu schlucken und zum Fundbüro zu gehen.  Verschämt fragt sie, ob jemand ein Gebiss abgegeben hätte.  Zu ihrer Überraschung bückte sich der Beamte und holte eine Schublade mit sage und schreibe mehr als 15 Gebissen hervor. „Suchen Sie sich eins aus“, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen.  Meine Bekannte ging unverrichteter Dinge wieder heim, sie brachte es nicht über sich, eines auszuprobieren.

Und meine Schüler haben tatsächlich alle gelacht!

 

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