Erwachsenenbildung – Teaching adults

Khalil ist mein “Problemkind” – ich hoffe, dass ist klingt nicht unverschämt, denn er ist der älteste in der Klasse (außer – wahrscheinlich – mir selbst).  Wenn ich etwas sage, schaut er mich verwirrt an, er versteht weder Anleitungen noch Beispiele.  Wenn ich ihn etwas frage, berät er sich erst auf Arabisch mit den anderen, bevor er sich an eine Antwort traut, selbst wenn die gleiche Frage vorher schon einige Male von anderen Teilnehmern beantwortet wurde.  Er hat Schwierigkeiten, sich Wörter zu merken, er lernt neues Vokabular nur sehr schwer und grammatikalische Strukturen gehen über seinen Horizont.  Allerdings kann er gut mit Zahlen umgehen.  Er spricht sehr, sehr leise, Arabisch wie Deutsch, und er benutzt das, um seine Unsicherheiten beim Deutschsprechen zu kaschieren.

The Lerner und ich sitzen an zusammengeschobenen Tischen in einem großen Kreis.  Genau wie ich es aus meinen eigenen Schultagen erinnere, sitzen die guten Schüler vorne, nahe beim Lehrer und der Tafel; die schwächeren ziehen sich nach hinten zurück.  Ein Arrangement, das nicht gut funktioniert, so dass ich das – mit mehr oder weniger Erfolg – immer wieder aufzubrechen versuche.  Khalil sitzt fast immer soweit wie möglich von mir entfernt.

Während die Schüler schreiben, gehe ich oft herum, um zu sehen, ob jemand meine Hilfe benötigt.  Khalil braucht sie eigentlich immer.  Wenn die anderen ihm nicht auf Arabisch erklären, was er machen soll, sitzt er meist nur hilflos da, selbst wenn ich die Übung mit ihm angefangen habe.

Ich habe es in letzter Zeit so eingerichtet, dass Khalil neben mir sitzt.  Ich bemerkte, dass er unablässig alles von der Tafel abschreibt, dabei  kneift er die Augen zusammen und lehnt sich nach vorn.  Dabei hat er eine Brille, die er aber nur selten benutzt und mit der er angeblich gut sieht.  Obwohl ich die Tafel immer wieder abfotografiere und die Fotos an alle Teilnehmer schicke, besteht er auf seiner Schreibarbeit.  Wahrscheinlich denkt er, dass er so lernt, obwohl er dadurch vieles verpasst, was sonst noch in der Klasse geschieht.

Würde ich Kinder unterrichten, wäre mir sein Problem schon viel früher aufgefallen.  Es ist nicht immer leicht, die richtige Balance für diese besondere Art der Schüler zu finden, sie zu lehren, ohne sie zu gängeln, ihre Selbstlernkompetenzen zu fördern, ohne dass ich mich wie eine Grundschullehrerin benehme.  Vielleicht vertraue ich zu oft darauf, dass ich es mit Erwachsenen zu tun habe, die selbstbestimmt lernen können und wollen.

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Khalil is my „problem child“ – which I hope is not too brazen to say as he is the eldest in class (except for – probably – me).  Whenever I say something he looks completely bewildered, he doesn’t understand instructions or examples.  When I ask him a question he first confers with the others in Arabic before he ventures an answer even if the same question has been answered a number of times by other participants.  He has difficulties remembering words, struggles to learn new vocabulary, and grammatical structures go completely over his head.  He is good with numbers, though.  He speaks very, very softly in Arabic as well as in German and he uses this to cover up his insecurities when speaking German.

The learners and I are sitting around tables pushed together forming one big circle.  Just as I remember from my own schooldays the good students sit in front, close to the teacher and the board; the weaker students withdraw to the back.  An arrangement which doesn’t work very well and which I continue to try – more or less successfully – to change.  Khalil sits as far away from me as possible.

When the students are busy writing I usually walk around to see if anyone needs my help.  Khalil usually does.  If the others don’t explain to him in Arabic what he needs to do he just sits helplessly even after I started the exercise with him.

I have lately arranged it so that Khalil sits next to me.  I noticed that he copies diligently everything from the whiteboard, always squinting and leaning forward.  He owns a pair of spectacles but seems reluctant to use them although he insists that they work well.  Even though I take lots of photos of the whiteboard and make them available to everybody, he insists on his writing.  It probably makes him feel that he is learning in this way although in reality it makes him miss a lot of what is going on in class.

If I were teaching children I would have picked up on his problem much earlier.  It is not always easy to find the right degree of guidance for these special kinds of learners, teaching them without being patronizing, helping them to develop their learning skills without behaving like a primary school teacher.  Maybe I rely too often on my belief that I am dealing with adults who are can and want to learn independently.

 

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