Feeling ill or ill feeling? – Krank oder missgestimmt?

In der letzten Zeit läuft mein Unterricht irgendwie aus dem Ruder.  Es fehlen immer wieder Teilnehmer, und  ich kann nicht genau sagen, warum das so ist.  Wahrscheinlich gibt es verschiedene Gründe, aber in der Gesamtheit macht es mir Sorgen.

Die Kursteilnehmer, die weiter weg wohnen, bekommen ihre Bus- oder Bahnfahrkarten vom BAMF ersetzt; um das Geld zu erhalten, müssen sie eine gewisse Anzahl von Stunden anwesend sein.  Allerdings verzögerte sich die Auszahlung im Februar, weil die Sachbearbeiterin bei der VHS krank war.  Was oft nicht verstanden wird, ist, dass was für uns lediglich eine Verzögerung darstellt, für die Flüchtlinge bedeuten kann , dass sie am Unterricht nicht teilnehmen können.  Ich war ziemlich sauer, als ich das herausfand, aber konnte an der Situation nichts ändern.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich  Ziad deswegen verloren habe.  Er kommt nicht mehr, seit sein Baby geboren wurde.  Er schrieb mir mehrmals Nachrichten, dass er bald wieder kommen wolle, aber sagte mir nichts von den Geldproblemen.  Es ist jetzt vier Wochen her und die anderen haben endlich ihr Geld bekommen, aber Ziad ist nicht wieder aufgetaucht – was wirklich schade ist.  Er ist ein guter Schüler und obwohl ich zuversichtlich bin, dass er direkt jetzt schon erfolgreich an einem A1 Integrationskurs teilnehmen könnte, hätte ich ihn gern noch ein bisschen länger unterrichtet.

Ich befürchte, dass Iskandar ganz aufgegeben hat. Er fehlt auch seit gut drei Wochen. Einige der anderen haben ihn inzwischen gesehen, aber er ging ihnen bewusst aus dem Weg.

Ylli hat gelegentlich Probleme, weil sie niemanden hat, der auf ihre Kinder aufpasst, wenn die Unterrichtszeit mit der Arbeitszeit ihres Mannes in Konflikt gerät.

Hanan hat mir ein Foto ihrer Medikamente geschickt, die sie wegen ihrer „Krepp“ nehmen muss (das war ihr Versuch, „Grippe“ zu schreiben).

Ahmed war krank, kam dann einen Tag und fehlt jetzt wieder.  Ich hatte die Befürchtung, dass er in eine Schlägerei verwickelt war, aber er sagte mir, dass seine rote und geschwollener Nase von einer Entzündung herrühre, und tatsächlich hatte er mir ja vorher von einer Augenentzündung erzählt.  Wahrscheinlich ist es wieder schlimmer geworden.

Aber die anderen scheinen keine stichhaltigen Entschuldigung zu haben, außer die immer wiederkehrenden „Termine“ bei Ärzten, beim Jobcenter, bei den Sozialarbeitern, usw.  Sie gehen früher, kommen später oder gar nicht.

Rifat und Amena haben mich gedrängt, härter durchzugreifen, was Teilnahme und auch Hausaufgaben betrifft.  Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich Erwachsene unterrichte und keine kleinen Kinder.  Dennoch habe ich einen Übersetzer gebeten, mir einen kurzen Text auf Arabisch zu übersetzen, dass es gegenüber denjenigen, die regelmäßig kommen, nicht fair ist, wenn ich immer zurückgehen und Lektionen wiederholen muss.  Auch habe ich angefangen, farbige Sticker in die Spalten zu kleben, wenn jemand gefehlt hat, um zu verhindern, dass einige Schlaumeier ihre Unterschrift rückwirkend eintragen.  Samir, der der größte Übeltäter in dieser Beziehung und auch sonst ein bisschen verschlagen, rastete aus, als er das bemerkte.  Er fing an rumzuschreien und feuerte seinen Bleistift durchs Zimmer.  Als  Rifat versuchte ihn zu beruhigen, muss er ihn richtig beleidigt haben, denn Rifat packte danach demonstrativ seine Sachen zusammen und setzte sich ans andere Ende des Tisches.

Irgendwas läuft also gerade schief und solange ich nicht weiß, was es ist, kann ich wenig dagegen tun.

225 Wurm drin

Of late, things have not been running smoothly in class. Attendance has been somewhat haphazard and I can’t put my finger on why this is the case.  There are probably a number of different reasons but I worry about the whole picture.

Those participants who live a distance away from school get their fare refunded by the ministry of migration and refugees; they need to attend a certain percentage of classes in order to qualify.  However, the February pay-out has been delayed due to the absence of the person in charge at the admin offices of our school.  Often people don’t understand that what is merely a delay for us can mean for a refugee that he or she might not be able to attend classes at all.  I was pretty upset when I found out but could do little to remedy the situation.

I am pretty sure that I have lost Ziad for good that way.  He stopped coming when his baby was born.  He kept writing that he wanted to come back but never told me that there was a problem with the money.  It has now been four weeks and the others have finally received their money but Ziad has not turned up again – which is really a pity. He is a good student and I am confident that even now he would succeed in an integration course but I would have loved to teach him for a while longer

Iskandar, I fear, has given up.  Some of the others have since seen him and he has avoided speaking to them.

Ylli has trouble with finding a child minder for her children when school clashes with her husband’s work.

Hanan has send me a photo with the medication that she has to take for the “krepp” (her attempt at writing the German word “Grippe”, i.e. flu – but “crap” seems appropriate enough).

Ahmed has been sick, came back for a day and is now missing classes again.  I was worried that he had been in a fight but he told me that his red and swollen nose is due to an inflammation and I remembered that he told me about an eye infection a couple of weeks ago.  It probably got worse.

But the others don’t seem to have a valid excuse for missing class, except the recurring appointments with doctors, the social services, the employment agency etc.  They come late, leave early or don’t turn up at all.

Rifat and Amena have urged me to be firmer with the class concerning attendance and even homework.  But I am still of the opinion that I am a teacher of adults and not small children.  Nevertheless I got an interpreter to translate a few sentences for me explaining to the class that it is not fair towards the ones attending regularly if I always have to backtrack and repeat lessons.  Also, I started to put coloured stickers in the attendance list to prevent some clever clogs to initial missed classes in retrospect.  Samir, the biggest offender in this regard and generally a bit on the sly side, threw a fit when he noticed this.  He shouted and threw his pencil across the room and when Rifat tried to calm him down he must have said something really insulting as Rifat demonstratively packed his papers and moved to the other side of the table.

There is no denying that at the moment things are not going all that well. And as long as I don’t know what is at the root I can’t think of a remedy.

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