School in the time of Ramadan – Schule während der Zeit des Ramadans

Nun hat Ramadan angefangen. Das zweite oder für manche das dritte Mal seit geflüchtete Menschen in großen Mengen in Deutschland angekommen sind. Die meisten Deutschen wissen inzwischen was Ramadan ist (ein religiöser Fastenmonat), wie er in groben Zügen abläuft (zwischen Sonnaufgang und Sonnenuntergang darf nichts über die Lippen kommen), und besser Informierte wissen vielleicht sogar, warum Muslime in dieser Zeit fasten.

In der westlichen Welt ist Ramadan für Muslime eine Herausforderung, weil selten Rücksicht genommen wird (es gibt keinen besonderen Urlaub, keine besonderen Ladenöffnungszeiten oder Sprechstundenzeiten, Schule geht auch weiter usw.).  Aber in der Praxis stehe ich jetzt vor Schülern, die müde und hungrig sind, und eigentlich nur nach Hause wollen, obwohl sie auch da noch lange warten müssen, bis sie das Fasten mit dem Iftar-Essen brechen können.  Sonnenuntergang ist erst um halb zehn.

Heute ist also der erste Schultag für meine Klasse während des Ramadans, bei 30 Grad im Schatten.  Zumindest bei den Frauen hat sich auch optisch etwas getan.  Zubeida, die ich noch nie mit Kopftuch gesehen habe, trägt heute eines.  Andere, die schon immer ihre Haare bedeckt haben, haben ihr Tuch enger geschlungen, damit es ja nicht verrutscht.  Ich weiß, wie unangenehm das sein kann.  Im September 2001 lebte ich in Saudi Arabien.  Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York wurde uns geraten, nur mit Kopftuch in die Stadt zu gehen (was wir bis dahin nie tun mussten).  Ich habe es in der saudischen Hitze keine Woche ausgehalten.  Mein Kopftuch (kein Hijab, sondern ein Kopftuch, wie es meine Großmutter vielleicht einmal getragen hat) legte ich um meine Schultern, um es mir, wenn nötig, schnell über den Kopf ziehen zu können, aber ich schaffte es nicht, es dauernd aufzubehalten.  Hanan, die immer enge schwarze Hosen und körperbetonte Tops trägt, hat ihren eigenen Kompromiss gefunden: sie trägt eine Baseball-Cap.

Unser Klassenzimmer ist im Souterrain des Schulgebäudes, aber am Nachmittag knallt die Sonne direkt auf die Fenster und im Raum ist es stickig. In der Pause sitzen oder liegen alle Männer auf dem Boden im Gang vor dem Klassenzimmer, wo es verhältnismäßig kühl ist.  Mir trocknet der Hals aus vom vielen Sprechen und als ich husten muss, greife ich zur Trinkflasche.  „Trink!“ sagt Sayid.  „Du nicht Ramadan.“  Nein, natürlich faste ich nicht, aber ich trinke und esse nicht provokativ vor meinen Schülern, das ist selbstverständlich.

Schade ist nur, dass ich an unserem letzten Schultag des jetzigen Moduls, an dem einige ganz mit dem Alphabetisierungskurs aufhören, die Teilnahmebescheinigungen ohne die übliche kleine Kaffee-und-Kuchen-Feier überreichen muss.

235 mosque

And now Ramadan is upon us.  It’s the second or for some third time since refugees in large numbers have arrived in Germany.  Most Germans know by now what Ramadan is (a month of religious fasting), how it works along general lines (nothing to pass the lips between sun-up and sun-down), and better informed ones might even know why Muslims fast during this time.

In the western world Ramadan is a challenge for Muslims because there is little consideration for them  (there are no special leave days, no special opening times for shops and clinics, school is still going on, etc.).  But in practice I am in front of students, who are tired and hungry and who just want to go home –  though even then they will have to wait long until they can break their fast with an Iftar dinner. The sun will only go down at 9.30pm.

So today is the first day during Ramadan for my class, 30 degrees in the shade and all.  The looks of the women have changed at the very least.  Zubeida, whom I have never seen with a headscarf, is wearing one today.  Others who have always kept their hair covered have wrapped their scarfs tighter so that they can’t slip.  I know how uncomfortable this can be.  I lived in Saudi Arabia in September 2001.  After the attack on the World Trade Center in New York we were advised to go into town only with our heads covered (which we had not done hitherto).  I couldn’t stand it for even a week.  I draped my scarf (not a hibab but a scarf like my grandmother might have worn) around my shoulders in order to be able to pull it quickly over my hair if necessary.  But I didn’t manage to keep it permanently on.  Hanan, who is always wearing tight black pants and tightly fitting tops, has found her own compromise: she is wearing a baseball cap.

Our classroom is in the basement of the school but in the afternoon the sun hits the windows directly and the room is stifling.  During the break all the men sit or lie on the floor of the hallway where it is relatively cool.  My throat is dry from talking and when I start to cough I reach for my water bottle.  “Drink!” says Sayid.  “You not Ramadan.”  No, of course I don’t fast but I won’t provocatively drink or eat in front of my students either – that’s understood.

It’s just a pity that on the last day of the current course when a few participants will be finishing with the alphabetisation course I will have to hand over the certificates without the usual coffee-and-cake party.

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4 thoughts on “School in the time of Ramadan – Schule während der Zeit des Ramadans

  1. Hast Du auch das Gefühl, dass dieser Brauch (das partielle Fasten) so extrem dumm ist? Schon aus gesundheitlichen Gründen? Hier ist Ramadan inzwischen ein Genuss-Spektakel wie Weihnachten geworden, und man nimmt eher zu als ab.

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    1. Ja, das ist die Erfahrung, die ich in Saudi Arabien gemacht habe (das Dickwerden). Dort wird einfach Tag und Nach umgedreht, man geht tagsüber kaum aus dem Haus, die Geschäfte liegen flach, Arzttermine werden oft auf den Abend gelegt usw. Das Fasten innerhalb einer westlichen Gesellschaft, mit allen Pflichten (Arbeit, Schule) und dann noch zur Sommerzeit (in Saudi ist auch im Sommer höchstens 14 Stunden zwischen Sonnenaufgang und -untergang) ist kaum verantwortungsvoll machbar.

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