Sie haben Post – You have mail

I received this text message from Emre:

Dear Mrs Eklastic, I have a request to put to you. We are old enough and no children. You cannot shout at us. Ich understand that you are occasionally stressed but I cannot accept this for me. You can always talk to me but without shouting, it is very difficult for me to learn a new language at my age but I am trying hard to do that. I am begging your understanding and thank you for your efforts and support. Yours sincerely

I was – to put it mildly – taken aback. Neither Emre nor any of the other students have ever hinted that they are less than happy with my teaching methods. The message was written in almost perfect German so I am pretty sure that he asked one of his adult children to write to me. Also, we call each other by our first names in class and the text was adressed to “Mrs Eklastic”.

I am hurt – not so much by the criticism as such but that the never spoke to me directly. I recognise that he was worried that I would misunderstand him but we have tackled difficult subjects in class before. Of course, I was immediately faulting myself. Yet the longer I am thinking it the more confident I feel. His reaction, I’m sure, has to do with the fact that he is the only male student in class and that there is also cultural discrepancy at play.

Yes, I am loud – that’s just me. I am certainly a lot louder than any of the female students who often speak barely above a whisper in class. Also I am teaching a language, I need to be heard even in the last row. I don’t sit down during class, I move about, I use big gestures, sometimes I dance to emphasise the stress in a word, a melody in a sentence. I teach language beginners with little learning background; some of the students are primary illiterates. I NEVER shout AT anybody. I don’t. I enunciate clearly and yes, loudly.

The oldest student in the class is ten years younger than I am. They have my respect but I deserve theirs as well. I teach 4 hours every day, I usually arrive 30 minutes early, I never leave less than 30 minutes after class. On average I prepare around 2 hours for every school day, I deal with administrative issues, I train to improve my teaching skills. Thus I am not asking more in terms of time from my students than what I am prepared to give myself. We have 100 schooldays left before the language test. We will not be able to finish the complete set work until then but I owe it to the better students to give them a fighting chance to pass at least at the lower level of proficiency. So no homework done, no vocabulary learned, no grammar practiced frustrates me tremendously.

I told Emre that I will not bear a grudge if he decides to ask for a transfer to another course. Maybe he will be better off with a different teacher and in a class with other male students. I would regret losing him, though, as I enjoy teaching him. And while I will watch myself more critically than usual in the coming weeks I know I will never be a quiet, unenthusiastic teacher.

Ich habe die folgende Textnachricht von Emre erhalten:

Liebe Frau Eklastic, ich habe eine Bitte an Sie und zwar: wir sind alt genug und keine Kinder, Sie können uns bitte einfach nicht anschreien. Ich verstehe, dass Sie manchmal stressig sind aber sorry kann ich so was an mich selbst nicht akzeptieren. Sie können mit mir immer reden aber bitte ohne anzuschreien, für mich ist das auch sehr schwierig in diesem Alter ein ganz neue Sprache zu lernen aber ich gebe meine Mühe um das zu schaffen. Ich bitte um Ihr Verständnis und danke Ihnen für Ihre Bemühungen und Unterstützung. Mit freundlichen Grüße

Ich war – um es vorsichtig auszudrücken – perplex. Weder Emre noch ein anderer Kursteilnehmer haben je eine Andeutung gemacht, dass sie auch nur ansatzweise mit meinen Lehrmethoden unzufrieden wären. Da die Nachricht in fast fehlerfreiem Deutsch verfasst ist, nehme ich an, dass sie von einem seiner erwachsenen Kinder geschrieben wurde. Wir duzen uns ja in der Klasse auch und der Text war an “Frau Eklastic” gerichtet.

Ich bin verletzt – nicht so sehr wegen der Kritik, sondern weil er mich nicht direkt angesprochen hat. Ich verstehe, dass er befürchtete, nicht verstanden zu werden, aber wir haben im Unterricht früher schon über schwierige Themen geredet. Natürlich habe ich den Fehler sofort bei mir gesucht. Je länger ich jedoch darüber nachdenke, desto selbstsicherer werde. Gewiss hat seine Reaktion auch damit zu tun hat, dass er der einzige männliche Kursteilnehmer ist und kulturelle Unterschiede mitspielen.

Ja, ich bin laut – das ist einfach meine Art. Ich bin mit Sicherheit lauter als jede der Kursteilnehmerinnen, die in der Klasse oftmals fast flüstern. Außerdem unterrichte ich eine Sprache, ich muss auch in der letzten Reihe gehört werden. Ich setze mich im Unterricht nicht hin, ich bewege mich, ich mache ausladende Gesten, manchmal tanze ich sogar um die Betonung in einem Wort oder eine Satzmelodie zu verdeutlichen. Ich unterrichte Sprachanfänger mit geringen schulischen Grundlagen; einige davon sind primäre Analphabeten. Ich schreie NIE jemanden AN. Das mache ich nicht. Ich artikuliere deutlich und auch laut.

Ich bin mit 10 Jahren Abstand die Älteste im Klassenzimmer. Ich zolle allen Kursteilnehmern Respekt, aber ich verdiene das auch von ihnen. Ich unterrichte täglich vier Stunden, komme meist 30 Minuten früher und gehe 30 Minuten später. Im Durchschnitt bereite ich mich zwei Stunden auf jeden Schultag vor, ich kümmere mich um Verwaltungsdinge und mache schulische Fortbildungen. Das bedeutet, dass ich, was den Zeitaufwand betrifft, von den Kursteilnehmern nicht mehr als von mir selbst verlange. Wir haben noch 100 Schultage bis zu dem Sprachtest. Wir werden das ganze Pensum bis dahin nicht schaffen, aber ich bin es den besseren Schülern schuldig, ihnen eine reelle Chance zu verschaffen, den Test wenigstens auf dem niedrigeren Niveau zu bestehen. Deshalb frustriert es mich, wenn keine Hausaufgaben gemacht, keine Grammatik geübt, keine Vokabeln gelernt werden.

Ich habe Emre geschrieben, dass ich es ihm nicht übelnehmen würde, wenn er sich dazu entschließt, den Kurs zu wechseln. Vielleicht ist er bei einem anderen Kursleiter und einer Klasse mit anderen männlichen Teilnehmern besser aufgehoben. Trotzdem würde ich es bedauern, ihn zu verlieren, da ich ihn gern unterrichte. Und auch wenn ich mich in der nächsten Zeit kritischer als sonst beobachten werde, bin mir sicher, dass ich nie eine leise, unengagierte Lehrerin sein kann.

6 thoughts on “Sie haben Post – You have mail

    1. I had a great conversation with another teacher about this earlier. It cleared a lot of things and I remembered more things from that morning (I had admonished his wife and a young woman sitting next to him who kept feeding him solutions).

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